Werbung nervt, Prävention ebenso

Will man Jugendliche vor dem Rauchen bewahren, sind Eingriffe in die Wirtschaftsfreiheit gerechtfertigt.

Fast jede Art von Tabakwerbung erreicht auch Jugendliche. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Fast jede Art von Tabakwerbung erreicht auch Jugendliche. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

Vorab eine kurze Ehrenrettung: Es gibt keinen Anlass, auf der rauchenden Bevölkerung herumzuhacken. Mit den fast flächendeckenden Rauchverboten hat der Staat das Problem des Passivrauchens massiv entschärft. Man darf den Rauchern auch die hohen Gesundheitskosten, die mit ihrem Laster verbunden sind, nicht zum Vorwurf machen. Volkswirtschaftlich sind sie eher Nettozahler, vor allem aufgrund der Tabaksteuermilliarden, die sie mit den enormen Zigi-Preisen abliefern, und ihrer kürzeren Lebenserwartung, die primär die AHV entlastet.

Die neue Volksinitiative will denn auch nicht den Rauchern das Leben noch schwerer machen, sondern dafür sorgen, dass es weniger neue Raucher gibt. Dazu will sie jede Art von Tabakwerbung verbieten, «die Kinder und Jugendliche erreicht». Zugegeben, das ist ein paternalistischer Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit.

Das ist unschön, in diesem Fall aber nötig. Die meisten fangen jung an zu rauchen. Und die allermeisten von ihnen nerven sich später, weil sie kaum mehr aufhören können. Wer die Teeniephase übersteht, ohne mit Rauchen anzufangen, hat ungleich bessere Chancen, der Sucht gar nie zu verfallen. Deshalb ist es speziell wichtig, das Risiko in dieser Lebensphase nicht noch mit cooler Werbung zu verstärken.

Theoretisch ist Tabakwerbung, die sich an Jugendliche richtet, heute schon verboten. Praktisch werben auf einschlägigen Seiten im Internet oder in Gratiszeitungen trotzdem sexy Jungs und Mädchen fürs Paffen. Es ist irrsinnig, wenn die Politik einerseits solche Werbung zulässt und andererseits Millionen für mehr oder weniger nervige Präventionskampagnen ausgibt, um Jugendliche vom Rauchen abzuhalten.

Das wäre doch ein Deal, dem auch bürgerliche Politiker zustimmen könnten: Sie führen wirksame Werbeverbote ein, gleichzeitig kürzen sie die Budgets der diversen staatlich finanzierten Präventionsstrategen inner- und ausserhalb der Verwaltung.

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