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Wer zu sehr polarisiert, verliert

Christoph Blocher bleibt bei den Zürcher Ständeratswahlen im ersten Wahlgang klar hinter Verena Diener und Felix Gutzwiller zurück. Das Ergebnis im Kanton Zürich steht symbolisch für den gescheiterten SVP-Sturm aufs Stöckli.

Dreikampf im zweiten Zürcher Wahlgang: Die Bisherigen Verena Diener (GLP) und Felix Gutzwiller (FDP) messen sich ein zweites Mal mit Herausforderer Christoph Blocher (SVP) (v.r.).
Dreikampf im zweiten Zürcher Wahlgang: Die Bisherigen Verena Diener (GLP) und Felix Gutzwiller (FDP) messen sich ein zweites Mal mit Herausforderer Christoph Blocher (SVP) (v.r.).
Keystone

Noch sind zwar erst 27 der insgesamt 46 Sitze im Ständerat definitiv verteilt. Doch bereits jetzt steht fest: Zum grossen Vormarsch der SVP kommt es im Stöckli nicht – die parteipolitischen Verhältnisse bleiben weitgehend stabil: CVP, FDP haben bis jetzt je sieben, die SP acht Sitze und die Grünen einen Sitz im Trockenen. Die SVP bleibt mit bislang vier Sitzen vorerst auf ihrer ungeliebten Rolle als bürgerlicher Juniorpartner sitzen.

Der martialisch angekündigte «Sturm aufs Stöckli» der Volkspartei ist damit erwartungsgemäss gescheitert. Symptomatisch dafür ist das Abschneiden ihrer Schwergewichte – allen voran jenes von Parteiübervater Christoph Blocher im Kanton Zürich: Der prominente Herausforderer muss im ersten Wahlgang abgeschlagen hinter den beiden Bisherigen mit dem dritten Platz vorliebnehmen – über 40000 Stimmen verliert er auf Verena Diener (GLP) und über 20000 Stimmen auf Felix Gutzwiller (FDP). Blocher wertete es gestern indes als Erfolg, dass keiner der beiden Bisherigen auf Anhieb die Wiederwahl schaffte. Das ist zwar tatsächlich ein Novum im Kanton Zürich. Doch wird es die Chancen von Blocher im zweiten Wahlgang nicht massgeblich steigern, bei dem es zum Dreikampf zwischen ihm, Diener und Gutzwiller kommen wird.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Wer so polarisiert wie Blocher, wer erbitterte Gegner genauso mobilisiert wie überzeugte Anhänger, der zieht bei Majorzwahlen in der Regel den Kürzeren. Da hilft auch weder selbst auferlegte Zurückhaltung noch Kreidefressen im Wahlkampf.

Die SVP verfügt über profilierte Köpfe, die massgeblich für das Wachstum der Partei verantwortlich sind, weil sie sich exponieren – nicht zuletzt mit Angriffen auf andere bürgerliche Parteien. Doch im Ständeratswahlkampf, wo es darum geht, Stimmen über die Parteigrenzen hinweg zu sammeln, wird das zum veritablen Hemmschuh.

Das zeigt sich nicht nur bei Blocher. Auch Fraktionschef Caspar Baader ist alles andere als der Typus des moderaten Vermittlers und blieb daher gestern in Baselland chancenlos gegen Claude Janiak (SP). Genauso erfolglos verlief der Angriff von Jean-François Rime in Freiburg. Oskar Freysinger liegt im Wallis vor dem zweiten Wahlgang hinter den beiden CVP-Bisherigen zurück. Adrian Amstutz muss in Bern in die zweite Runde, um seinen Sitz zu verteidigen (siehe dazu Seite 6 und 7).

SVP-Präsident Toni Brunner blieb beim Heimspiel in St. Gallen klar hinter der auf Anhieb gewählten Karin Keller-Sutter (FDP) zurück. Seine Chancen steigen nun im zweiten Wahlgang vor allem deshalb, weil sich der bisherige CVP-Ständerat Eugen zurückgezogen hat und nicht mehr antritt. Im Aargau gelang es Schwergewicht Ulrich Giezendanner im ersten Anlauf nicht, den Sitz von Maximilian Reimann zu verteidigen (siehe dazu Seite 10). Er dürfte auch im zweiten Wahlgang einen schweren Stand haben gegen die Bisherige Christine Egerszegi (FDP).

Die Schwierigkeiten der SVP, bei Majorzwahlen bei den Wählern genügend zu punkten, sind auch in anderer Hinsicht auf ihre in den letzten Jahren verfolgte Strategie zurückzuführen: Das sorgsam aufgebaute Alleinstellungsmerkmal «Wir gegen alle» lässt sich für einen «Sturm aufs Stöckli» nicht nutzen – im Gegenteil. Es entbehrt daher nicht einer gewissen Ironie, wenn SVP-Generalsekretär Martin Baltisser das Scheitern des Grossangriffs im Stöckli gestern ausgerechnet damit begründete, dass sich – neben den Medien – alle Parteien gegen die SVP verbündet hätten.

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