Zum Hauptinhalt springen

«Wer das hört, greift sich an den Kopf»

Für Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann ist Zürich gut versorgt mit Wohnraum. Die Replik erfolgt nun mit deutlichen Worten.

Hubert Mooser
Man ist nie allein: Wohnungsbesichtigung in Zürich (Archivbild).
Man ist nie allein: Wohnungsbesichtigung in Zürich (Archivbild).
«Herr Schneider-Ammann soll sich doch einmal selber in eine Kolonne einreihen»: Anita Thanei, Präsidentin des Deutschschweizer Mieterverbands.
«Herr Schneider-Ammann soll sich doch einmal selber in eine Kolonne einreihen»: Anita Thanei, Präsidentin des Deutschschweizer Mieterverbands.
1 / 4

Die Schweiz ist ein Land von Mietern, entsprechend gross ist die Unruhe, wenn die Wohnungsmieten in die Höhe schiessen, wie dies in den vergangenen Monaten in städtischen Ballungszentren der Fall war. Doch an den Grenchner Wohntagen sagte der Wirtschaftsminister nun, die Situation sei nicht so dramatisch. Exorbitante Mieten, überteuerte Renovationen, Kolonnen von Wohnungssuchenden seien ein Medienthema, dies entspreche jedoch nicht der aktuellen Situation auf dem Wohnungsmarkt.

In der Stadt Zürich habe Ende 2011 jeder fünfte Bewohner in einer anderen Wohnung gelebt als zu Jahresbeginn. Und dies bei einer Leerwohnungsziffer von weit unter einem Prozent. Die meisten Menschen zögen innerhalb der Stadt um, verbesserten sich, würden in eine grössere Wohnung wechseln. «Für mich ist dies ein deutliches Zeichen, dass Zürich grundsätzlich gut mit Wohnraum versorgt ist», sagte Schneider-Ammann. «Es ist ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass der Markt grundsätzlich spielt.»

Bundesrat Schneider-Ammann soll einmal nach Zürich kommen

«Wer in den letzten Jahren in Zürich eine Wohnung suchte, greift sich an den Kopf, wenn er so etwas hört», sagt der Vizepräsident des Deutschschweizer Mieterverbandes, Nationalrat Balthasar Glättli (Grüne, ZH). Und Glättli weiss, wovon er redet. Vor zwei Jahren musste er selber in Zürich nach einer neuen Bleibe Ausschau halten, weil der Hausbesitzer seine bisherige Wohnung renovieren wollte und seinen bisherigen Mietern deswegen kündigte. «Ich habe 9 Monate suchen müssen, bis ich eine für mich bezahlbare Wohnung fand», so Glättli. Das käme in Zürich seit einigen Jahren häufig vor: Mieter kündigen, dann folgt eine Luxussanierung, und die Mieten explodieren.

Die frühere Zürcher SP-Nationalrätin Anita Thanei, Präsidentin des Deutschschweizer Mieterverbandes, rät Schneider-Ammann, «einmal nach Zürich zu kommen». Er solle sich ein Wohnungsinserat herauspicken, in dem eine Wohnung unter 2000 Franken angeboten würde, mit Besichtigungstermin zwischen 11 und 12 Uhr. Und dann solle sich Herr Schneider-Ammann einmal selber in die Kolonne einreihen. Der Markt habe in den letzten Jahren in Zürich noch nie gespielt. Tatsache sei jedoch, dass die Vermieter die Situation schamlos ausnützten und die Mieten nach einem Wohnungswechsel nach oben schössen.

Exorbitante Preissteigerungen nach einem Mieterwechsel

Einer der Treiber für die Wohnungsknappheit und die steigenden Mieten ist die Zuwanderung, das muss auch Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann trotz rosaroter Brille zugeben. Glättli sagt dagegen, das Problem sei nicht die Zuwanderung, sondern die Vermieter, welche die Situation schamlos ausnützten. Dem müsse man den Riegel schieben. Wenn der Bundesrat und Wirtschaftsminister das nicht erkenne, laufe er Gefahr, dass die Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative der SVP und ähnliche Volksbegehren zu Zitterpartien würden.

Thanei präzisiert, dass darum ein Ausbau der flankierenden Massnahmen ein Muss sei. Dazu gehören ihrer Meinung auch Massnahmen, welche exorbitante Preissteigerungen nach einem Mieterwechsel verhindern.

Dieser Artikel wurde automatisch auf unsere Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch