Wenn Männer Männer quälen

Mobbingfälle in der Armee sind auch die Folge einer schädlichen Vorstellung von Männlichkeit.

Hier ist es zu einem Mobbingvorfall gekommen: Soldaten bewarfen ihren Kollegen auf dem Flugplatz Emmen mit Steinen. (Video: SRF)
Hannes Weber@hnnswbr

Das Video zeigt einen Rekruten auf einer Wiese. Er zieht seinen Kopf ein und hält seine Arme eng am Körper. Auf ihn prasseln Steine und Nüsse nieder, die Peiniger sind seine Kollegen, der Befehl kam von ihrem Vorgesetzten. Die Armee reagiert: Körper­liche Züchtigung werde nicht akzeptiert, der Chef der Armee besuche die betroffene Rekrutenschule, die ­Militärjustiz nehme sich des Falles an. Ein Mobbingproblem in der Armee? Nein, ein bedauerlicher Einzelfall.

Diese Einzelfall-Empörung verschleiert, dass solche Rituale in der Armee immer wieder vorkommen. Und längst nicht alle empören sich darüber. «Das gehöre dazu, da mussten wir auch durch, die RS hat noch keinem geschadet» –angesichts der Armeekritik, die Mobbingfälle nach sich ziehen, geraten manche Befürworter von Wehrdienst und Armee in eine Abwehrhaltung. Es sind die Gleichen, die auch finden, dass erst die RS Buben zu echten Männern mache.

Aber wollen wir Männer, die Kollegen quälen? Die es aushalten müssen, wenn sie von ihnen gequält werden? Die Vorfälle sollen juristisch untersucht werden. Sie sollten aber auch als Folge einer veralteten und schädlichen Vorstellung von Männlichkeit verstanden werden. Diese hat in der ­Armee einen idealen Nährboden: Männer treffen fast nur auf Männer, die Hierarchien sind streng, das Lernen von Gewaltanwendung gehört per Definition dazu. Gerade darum würde es der Armee gut anstehen, wenn sie eine Diskussion über Männer­bilder zuliesse. Warum nicht sogar in der RS? Der aktuelle Vorfall gibt jungen Männern mit einer anderen, weniger stereotypen Vorstellung vom Mannsein jedenfalls einen weiteren Grund für die gewaltfreie Alternative – den Zivildienst.

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