Weg zur Bestpreis-App ist noch lang

Wer mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs ist, soll schweizweit ohne Billett oder Abo einsteigen und erst nach der Reise zahlen können. SBB, BLS und Postauto testen dazu eine Handy-App. Konsumentenschützer sind skeptisch.

Mit der App Lezzgo erst nach der Bahn- und Busfahrt bezahlen: Jetzt startet ein schweizweiter Probelauf.

Mit der App Lezzgo erst nach der Bahn- und Busfahrt bezahlen: Jetzt startet ein schweizweiter Probelauf. Bild: Keystone

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Habe ich das richtige Billett gekauft? Genügend Zonen für den gewünschten Zeitraum und ein Anschlussbillett mit der schnellsten Via-Möglichkeit? Solche Fragen sollen Reisende mit Bahn, Bus und Schiff in Zukunft nicht mehr verunsichern. Auch Besitzerinnen und Besitzer von Abonnementen können profitieren, sofern sie nur gelegentlich unterwegs sind, aber sich die Freiheit des sorglosen Fahrens gönnen.

Denn die SBB, Postauto und die BLS testen seit gestern gemeinsam eine Ticket-App, mit der man erstmals in der ganzen Schweiz reisen und erst nachträglich bezahlen kann. Verrechnet wird der günstigste Tarif für die absolvierte Strecke. Im Maximum ist dies der Preis für eine Tageskarte, wie Projektverantwortliche der drei Unternehmen gestern in Bern erläuterten.

Reise wird überwacht

Die Nutzer müssen jeweils am Ausgangspunkt der Reise mittels App einchecken. Dann erhalten sie einen Barcode, der den Kontrolleuren anzeigt, ob der Nutzer tatsächlich bei Abfahrt an der letzten Haltestelle eingecheckt hat.

Das System überwacht den Fahrtweg elektronisch auf drei Arten: mittels GPS, mit Daten zum Aufenthalt in den jeweiligen Funkzellen der Telecomanbieter und mit den Beschleunigungssensoren im Smartphone. «Diese Daten werden zusammengeführt und mit dem Echtzeitfahrplan abgeglichen», erklärte Christof Zogg, Leiter Digital Business der SBB.

Basis des Systems ist die App Lezzgo der BLS. Die Anwendung des Berner Unternehmens ist bereits innerhalb von regionalen Tarifverbünden im Einsatz. Mit den SBB und Postauto helfen nun die beiden entscheidenden Akteure mit, das System in der ganzen Schweiz zu erproben. So hat sich die Branche wegen der hohen Investitionskosten von der Idee verabschiedet, alle Reisenden beim Ein- und Aussteigen automatisch zu erfassen.

SBB erwägen eigene App

Das heisst nicht, dass die BLS mit Lezzgo den grossen Durchbruch geschafft hat. Denn die SBB lassen laut Zogg offen, mit welcher Technologie sie nach einem erfolgreichen Test künftig Check-in-Tickets verkaufen werden.

Noch viele Hürden

Ziel des gemeinsamen Probelaufs ist es, schweizweite Standards zu entwickeln. Gesucht sind Regeln, damit künftig alle solchen Apps mit einem Gerät kontrolliert werden können. Zudem sollen Reiseprotokolle, Preisberechnung, Einnahmeverteilung, Datenschutz und Kundendienst einheitlich sein. Was einfach klingt, ist im Hintergrund kompliziert. Schliesslich pochen rund 250 Transportunternehmen und 18 Verkehrsverbunde auf ihre Autonomie.

Technisch das grösste Problem ist, dass die App noch zu viel Strom verbraucht, um die Reise fortlaufend zu erfassen. Zudem liegt der Teufel im Detail: So kann in der Testphase kein Ticket für den Veloverlad gelöst werden. Oder Schifffahrten sind nicht dabei, schliesslich können hier die Bewegungssensoren verrückt spielen.

Die Stiftung für Konsumentenschutz sorgt sich vor allem um den Datenschutz. Denn das Bewegungsprofil müsse für allfällige Reklamationen eine Zeit lang gespeichert werden. Diese Daten seien mit strengen und transparenten Regeln zu schützen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.07.2017, 08:16 Uhr

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