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Was die Schweizer Armee der Wirtschaft bringt

Die Armee kostet jährlich sieben Milliarden Franken. Ihr Nutzen für den Bevölkerungsschutz lässt sich nur schwer in Zahlen fassen. Sie sei aber das Geld wegen volkswirtschaftlicher Effekte wert, resümiert eine neue Studie.

Die Armee wirkt gemäss der Studie integrierend und sozialisierend: Verteidigungsminister Ueli Maurer hievt sich beim Besuch einer Rekrutenschule auf einen Panzer. (28. August 2012)
Die Armee wirkt gemäss der Studie integrierend und sozialisierend: Verteidigungsminister Ueli Maurer hievt sich beim Besuch einer Rekrutenschule auf einen Panzer. (28. August 2012)
Reuters

Der Nutzen der Armee ist zwar schwierig zu beziffern, doch steht er in einem guten Verhältnis zu den Kosten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die eine Gruppe von aktiven und ehemaligen Miliz-Generalstabsoffizieren verfasst hat. Die Gruppe ins Leben gerufen hatte Verteidigungsminister Ueli Maurer. Die Studie habe diese jedoch aus eigener Initiative verfasst, sagte Maurer vor den Medien in Bern. Damit liege erstmals eine Gesamtübersicht über Kosten und Nutzen der Armee vor.

Das Fazit der Offiziere: Der Erhalt der Armee sei «auch ökonomisch legitim». Die Armee gleiche einer Versicherung, für die eine Prämie zu zahlen sei, heisst es in der Studie. Einer klar bezifferbaren Jahresprämie stehe dabei ein nicht klar bezifferbarer Nutzen gegenüber. «Je nach Gefahr oder Bedrohung kann der Nutzen die Kosten aber um ein Vielfaches übersteigen», halten die Autoren fest. Ein einziger «Schadensfall» amortisiere die «Versicherungsprämie» von vielen Jahren. Wird der nicht bezifferbare Nutzen ausser Acht gelassen, kostet die Armee jährlich netto 5 bis 5,4 Milliarden Franken.

Leistungen im Wert von einer Milliarde

Quantifizierbar ist nämlich der Nutzen in Friedenszeiten: Die Armee generiert gemäss der Studie einen jährlichen Gegenwert von 1 bis 1,2 Milliarden Franken. So viel würden gewisse von der Armee erbrachte Leistungen kosten, wenn sie eingekauft werden müssten.

Es geht dabei um Leistungen wie die Einsätze am World Economic Forum (WEF) in Davos oder die Katastrophenhilfe. Auch Fachausbildungen der Armee mit zivilem Nutzen – beispielsweise die Ausbildung zum Chauffeur – berücksichtigt die Studie. Schliesslich wird der Betrag angerechnet, den die Armee an Steuererträgen erzeugt.

Volkswirtschaftlicher Nutzen

Zusätzlich generiert die Armee gemäss der Studie jährlich positive volkswirtschaftliche Effekte in der Höhe von 4,6 bis 4,8 Milliarden Franken. Darunter fällt etwa das durch die Armee generierte Auftragsvolumen von 2,5 Milliarden. Zum nicht oder nur schwer quantifizierbaren Nutzen gehören der Schutz der Bevölkerung, des Territoriums und der nationalen Souveränität.

Doch nicht nur der Staat, sondern auch die Gesellschaft hat gemäss der Studie einen Nutzen: Sie profitiere von der «sicherheits- und vertrauensstiftenden Wirkung der Armee», schreiben die Autoren. Für einen grossen Teil der Bevölkerung wirke die Armee zudem «integrativ und sozialisierend», sie wirke als Kitt zwischen den sozialen Schichten und Kulturen des Landes.

Kosten von mehr als 7 Milliarden

Dem Nutzen stehen Gesamtausgaben von jährlich 6,2 bis 6,4 Milliarden Franken gegenüber. Bei 4,3 Milliarden handelt es sich um die budgetären Ausgaben für die militärische Landesverteidigung. Den Rest machen staatliche Zusatzausgaben wie Mieten und Ausgaben der Privatwirtschaft für den Erwerbsersatz aus.

Hinzu kommen volkswirtschaftliche Kosten. Durch Abwesenheiten am Arbeitsplatz entstehen Kosten in der Höhe von rund 1 Milliarde Franken. Im internationalen Vergleich lägen die Kosten gemessen am Bruttoinlandprodukt (BIP) im unteren Bereich, heisst es in der Studie. Die Kosten der Armee betragen demnach rund 1 Prozent des BIP. Bei einer konkreten Bedrohung fielen allerdings hohe Zusatzkosten für den mehrjährigen Aufbau und die Mobilmachung an.

Kein politisches Ziel

Mit der Studie wolle die Milizkommission einen Beitrag zur öffentlichen Debatte liefern, sagte deren Vorsitzender Marco Netzer. «Das Bild der Armee ist in den letzten Jahren verzerrt worden.» Ein politisches Ziel oder einen politischen Auftrag für die Studie habe es nicht gegeben.

Maurer schreibt im Vorwort zur Studie, die Investitionen in die Armee müssten öffentlich debattiert werden – «umfassend, anhaltend und wiederholt». Der Verteidigungsminister zitiert auch Oscar Wilde: «Ein Zyniker ist ein Mann, der von allem den Preis und von nichts den Wert kennt.»

SDA/rbi

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