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«Warten Sie nicht darauf, dass der Arzt errät, was Sie haben»

Patienten sollen mehr selbst bestimmen, fordert die Politik. Für Medizinprofessor und Kommunikationsexperte Wolf Langewitz sind dazu nicht viele Informationen, sondern gute Gespräche mit dem Arzt nötig.

Der Arzt stellt die Diagnose und ordnet dann eine Behandlung an. Ist das inzwischen alte Schule? Wolf Langewitz: Nur in Bezug auf das Wort anordnen. Etwas anzuordnen, ist das eine. Sich daran zu halten, ist das andere. Es war sicher schon immer so, dass Patienten nicht all das machten, was Ärzte von ihnen wollten. Aber früher hat man nicht darüber gesprochen. Heute wird diese Problematik offen diskutiert, und das hat dazu geführt, dass man sich mit dem Patienten gemeinsam auf die beste Behandlung einigt.

Hat sich damit die Macht hin zum Patienten verschoben? Macht kann man unterschiedlich definieren. Ein Patient geht zum Arzt, weil er glaubt, dass dieser in Bezug auf sein Problem klüger ist als er selber. Der Arzt hat also Macht im Sinne eines Wissensvorsprungs. Man kann Macht aber auch definieren als Kompetenz, zu handeln und Dinge in Bewegung zu setzen. In diesem Sinne ist der Patient eher mächtiger, denn es liegt in seiner Hand, die Tablette zu schlucken. Diese Machtverteilung zwischen Arzt und Patient gab es schon immer, aber die politische und gesellschaftliche Aufmerksamkeit hat sich verschoben. Die paternalistischen Zeiten sind vorbei.

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