Volksentscheid ohne saubere Grundlage

Die Pestiziddaten des Bundes sind mangelhaft. Das wird nun zum Problem.

Stefan Häne@stefan_haene

Das Problem ist längst erkannt, aber ungelöst: Die Schweizer Gewässer und Böden sind zu stark mit Pestiziden belastet. Gleich zwei Agrarinitiativen wollen deshalb den Pestizideinsatz drastisch einschränken. Sie kommen wohl 2020 zur Abstimmung. Der Bauernverband bekämpft die Volks­begehren, gleich wie der Bundesrat.

Doch der Auftakt zu seiner Kampagne ist missglückt. So wollte der Verband der Bevölkerung vor Augen führen, wohin eine pestizidfreie Landwirtschaft (angeblich) führt: zu verkümmerten Ernten. Bauern hätten dazu auf Ackerflächen auf Pflanzenschutzmittel verzichten und die Bevölkerung mit Schildern «Dein Essen ist in Gefahr!» warnen sollen. Nach Protesten von Biobauern blies der Bauernverband die peinliche Aktion vorzeitig ab. Da kommt es ihm nun gerade recht, dass die Experten von Agrar­minister Guy Parmelin (SVP) bei den Pestiziden sinkende Verkaufszahlen notieren – eine Erfolgsmeldung!

Doch die Daten zeigen nicht die ganze Wahrheit. Nur die Menge der verkauften Stoffe zu betrachten, greift zu kurz; relevant ist auch die Giftigkeit. Erst eine kombinierte Betrachtung erlaubt es, die Risiken für Mensch und Umwelt exakt zu erfassen.

Mangelhafte Daten sind eine Hypothek

Andere Staaten setzen bereits auf diese umfassendere Analyse. Die Schweiz indes hinkt hinterher. Das ist unverständlich. Und es nährt den Verdacht, dass es der ehemalige Weinbauer Parmelin gar nicht so genau wissen möchte – wie schon sein freisinniger Vorgänger Johann Schneider-Ammann. Der Handlungsdruck könnte ansonsten (noch) grösser werden, der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel des Bundesrats könnte sich definitiv als wenig wirksames Instrument gegen das Pestizidproblem entpuppen.

Für die bevorstehende Abstimmung sind die mangelhaften Daten jedenfalls eine Hypothek: Wie soll die Bevölkerung so entscheiden, ob sie dem Bundesrat vertrauen oder aufdie Agrarinitiativen setzen soll?

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