«Viele denken, es sei einfach, Wirt zu sein»

Der Kandersteger Hotelier Casimir Platzer ist der neue Präsident des Wirteverbands Gastrosuisse. Er will das Volk davon überzeugen, dass acht Prozent Mehrwertsteuer fürs Essen in der Beiz ungerecht sind.

Casimir Platzer setzte sich am Dienstag gegen Konkurrenten Enrique Marlés aus Baselland durch. Damit ist erneut ein Berner an der Spitze des Verbands Gastrosuisse. Platzer löst Klaus Künzli aus Ostermundigen nach 12 Amtsjahren ab.

Casimir Platzer setzte sich am Dienstag gegen Konkurrenten Enrique Marlés aus Baselland durch. Damit ist erneut ein Berner an der Spitze des Verbands Gastrosuisse. Platzer löst Klaus Künzli aus Ostermundigen nach 12 Amtsjahren ab.

(Bild: Markus Hubacher)

Juliane Lutz@JulianeLutz

Herr Platzer, Sie sind nun der höchste Wirt des Landes. Geben Sie ihren Gästen eine Runde aus?
Casimir Platzer: Ich werde die Wahl sicherlich mit guten Freunden feiern und auch eine oder zwei Runden spendieren. Aber das gehört als Gastgeber sowieso zum Courant normal.

Es habe unter Berner Wirten unzufriedene Stimmen gegeben, als Sie nominiert wurden.
Davon weiss ich nichts. Die Berner Wirte haben übrigens meine Nominierung eingereicht.

Sie haben ein Hotel und sind jetzt der neue Präsident von Gastrosuisse. Wie bringen Sie das unter einen Hut?
Wir haben in unserem Belle-Epoque-Hotel Victoria in Kandersteg personell aufgestockt und Anfang Mai einen Vizedirektor eingestellt, der einige meiner Aufgaben übernehmen muss. Das dient der Entlastung meiner Frau. Das war ich ihr schuldig.

Waren Sie sich so sicher, dass Sie gewählt werden würden?
Natürlich nicht. Aber man muss für den Fall schliesslich vorbereitet sein.

Sie sind auch Vorstandsmitglied bei Schweiz Tourismus und Präsident der International Hotel and Restaurant Association. Sind das nicht zu viele Ämter?
Dank der verschiedenen Ämter kann ich manche Synergien nutzen, denn viele Themen und Probleme sind ähnlich.

Sie sprachen neulich davon, dass Gastrosuisse und die Branche vor grossen Herausforderungen stehen. Und dass sich die Rahmenbedingungen kontinuierlich verschlechtern. Können Sie da bitte ein wenig konkreter werden?
Wir hatten in den letzten Jahren viele Dossiers, die die Profitabilität des Gastgewerbes stark beeinträchtigt haben, etwa die Promillegrenze oder das Rauchverbot. Am 28.September kommt die Initiative «Schluss mit der Mehrwertsteuer-Diskriminierung des Gastgewerbes» von Gastrosuisse zur Abstimmung. Diese verlangt, dass Lebensmittel im Detailhandel und bei Take-aways gleich besteuert werden wie deren Konsum in Restaurants. Da muss der Kunde heute für einen Salat 8 Prozent Mehrwertsteuer zahlen, im Tankstellenshop aber nur 2,5 Prozent. Wir hoffen, dass das Schweizer Stimmvolk das Gastgewerbe unterstützen wird. Der Ungleichbehandlung unserer Branche in Sachen Mehrwertsteuer muss unbedingt ein Riegel vorgeschoben werden.

Wie sieht Ihre Strategie aus, damit die Initiative angenommen wird?
Wir werden in den nächsten Wochen sicherlich versuchen, Allianzen mit anderen Wirtschaftsverbänden und mit möglichst vielen Parteien einzughen.

Womit überzeugen Sie das Volk?
Unsere 20'000 Mitglieder sind in der glücklichen Lage, ihre Kunden jeden Tag aufs Neue von den grossen Leistungen des Gastgewerbes für unser Land überzeugen zu können. Dazu läuft bis Ende Juli eine Imagekampagne.

Ihre Initiative wurde vom Nationalrat und vom Ständerat zur Ablehnung empfohlen. War das Lobbying von Gastro Suisse nicht intensiv genug?
Der Entscheid war in beiden Räten relativ knapp. Offensichtlich haben viele Parlamentarier eingesehen, dass wir ungerecht behandelt werden. Da aber im Moment keine Patentlösung vorhanden ist, wird die Initiative nicht unterstützt. Das ist aber kein ausreichendes Argument. Es wird die Aufgabe der Regierung sein, eine mehrheitsfähige Variante zu finden.

Die Gastrobranche braucht ausländische Mitarbeitende. Was tun Sie, damit künftig genügend Personal da ist?
Allzu Konkretes kann ich noch nicht sagen, da ich erst gewählt wurde. Aber es gibt Arbeitsgruppen des Gewerbeverbands und des Arbeitgeberverbands, in denen Gastro Suisse vertreten ist.

Mehr als die Hälfte aller Beizen schrieb 2013 rote Zahlen. Das liegt vermutlich nicht nur an der Mehrwertsteuer von 8 Prozent.
Das Kostengefüge stimmt in der Schweiz überhaupt nicht mehr. Fast 50 Prozent des Umsatzes werden für Personalkosten und fast 30 Prozent für Warenkosten verwandt. Eine Reduktion der Mehrwertsteuer würde wenigstens ein bisschen entlasten.

Aber eben nur ein bisschen. Gibt es vielleicht zu viele Beizen?
Viele denken, es sei die einfachste Sache der Welt, ein Restaurant zu führen. Aber es ist nicht am Verband zu sagen, dass es zu viele Beizen gibt. Das regelt normalerweise der Markt.

Fehlt es eventuell an Ideen?
Nein. Die Konsumgewohnheiten der Kunden haben sich in den letzten Jahren verändert, und die Branche muss sich laufend anpassen.

Berner Zeitung

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