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Veraltete Regeln bringen heutigen Arbeitnehmern nichts

Redaktor Christoph Aebischer zum Arbeitnehmerschutz.

Alles oder nichts! So weit entfernt liegen die Vorstellungen der Arbeitgeber von den Ansichten der Arbeitnehmer. Dabei ist das Revisionsprojekt zum Arbeitsgesetz erst gerade lanciert worden. Dennoch schiessen die Gewerkschaften bereits scharf aus ihren Schützengräben: «Stress», «Burnout», «Gratisarbeit» skandieren sie. Arbeitgeber stellen sie unter den Generalverdacht. Nur Ausbeutung kann demnach deren Ziel sein. Dabei ist die Frage legitim, welcher Schutz und wie viel Flexibilität im Arbeitsalltag zeitgemäss ist.

Die heutige Situation lässt sich kaum mehr mit jenen Zeiten vergleichen, aus denen das aktuelle Arbeitsgesetz stammt. Viele kennen die Stempeluhr in der Fabrik höchstens noch vom Hörensagen. Ihre Realität sind Computer und Smartphones, mit denen man Geschäftsmails von irgendwo irgendwann checken kann. Sie bringen ihre Kinder in die Kinderkrippe, die um 18 Uhr schliesst.

Ein solcher Arbeitsalltag kann ungesund sein, wenn er zum Beispiel Erreichbarkeit rund um die Uhr und Arbeit in den Ferien bedeutet. Da haben die Gewerkschaften recht. Dafür braucht es passende Regeln. Darum ist der Kompromissvorschlag der Plattform Bildung - Wirtschaft - Arbeit, zu der sich einige Arbeitnehmerorganisationen zusammengefunden haben, zu begrüssen. Es bringt nichts, wenn Kontrolleure Arbeitsplätze ergonometrisch ausmessen, aber der Schuh woanders drückt. Veraltete Regeln – die Arbeitszeiterfassung lässt grüssen – werden dann einfach ignoriert.

Die vorpreschenden Arbeitnehmerorganisationen um den Kaufmännischen Verband «verraten» nun keineswegs ihre Mitglieder. Doch sie repräsentieren auch nicht alle Arbeitnehmer, wie eine neue Umfrage ebendieses Kaufmännischen Verbands zeigt: Flexible Arbeitszeiten sind zwar verbreitet, Abend- und Sonntagsarbeit bleiben aber unbeliebt. Entscheidend ist, dass jene, die kaum von den Vorteilen einer flexibleren Arbeit profitieren, im heutigen Rahmen geschützt bleiben. Gemäss Kompromissvorschlag soll dies für mindestens 80 Prozent der Angestellten gelten.

Der schon jetzt mit viel Pulverdampf ­geführte Kampf um den Arbeitnehmerschutz ist zu einem guten Teil für die Galerie. Denn alle rechnen mit einem Showdown an der Urne. Die Gewerkschaften werden dafür sorgen, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger das letzte Wort haben werden. Diese dürfen erwarten, dass sich alle beteiligten Parteien zusammensetzen und mit offenem Visier einen praktikablen Vorschlag zur Arbeitswelt in Zeiten der Digitalisierung und Teilzeitarbeit vorlegen. Sie erwarten Teamarbeit von den Arbeitgebern und Mitarbeit von den Gewerkschaften. Das ist das Mindeste.

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