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Unterstützung für Wohninitiative bricht ein

Plötzlich sind die Gegner in der Mehrheit: Gemäss der neusten Tamedia-Umfrage hat die Initiative des Mieterverbandes einen schweren Stand.

Laut Umfrage ist es unwahrscheinlich, dass die Initiative am 9. Februar angenommen wird. Die Wohnsiedlung Zwicky Süd bei Dübendorf. Foto: Andrea Helbling
Laut Umfrage ist es unwahrscheinlich, dass die Initiative am 9. Februar angenommen wird. Die Wohnsiedlung Zwicky Süd bei Dübendorf. Foto: Andrea Helbling

Noch Mitte Januar konnten sich die Initianten grosse Hoffnungen auf einen Sieg an der Urne machen. In den ersten zwei Tamedia-Umfragen gaben jeweils mindestens 60 Prozent der Befragten an, am 9. Februar sicher oder eher für die Initiative «Mehr bezahlbare Wohnungen» stimmen zu wollen. In der dritten Umfrage sind es nur noch 48 Prozent. Damit sind die Gegner erstmals knapp in der Mehrheit. Ihr Anteil ist innert zwei Wochen von 37 auf 51 Prozent gestiegen.

Zurückzuführen ist das vor allem auf einen Meinungsumschwung bei vielen Wählerinnen und Wählern der Mitteparteien. Während bei den Anhängern der Grünen und der SP die Unterstützung für die Initiative weiterhin gross ist, lehnen sie jene von CVP und GLP inzwischen klar ab. Bei SVP und FDP ist das Nein derweil noch deutlicher geworden.

Politologe Fabio Wasserfallen von LeeWas, der die Umfrage durchgeführt hat, ist nicht überrascht von dieser Entwicklung: «Es handelt sich um den klassischen Ablauf bei einer Volksinitiative.» Ein populäres Anliegen stosse zu Beginn eines Abstimmungskampfs in breiten Kreisen auf Sympathien. Mit dem Start der Gegenkampagne nehme die Unterstützung dann ab. Die Initiative verlangt unter anderem, dass mindestens 10 Prozent der neu gebauten Wohnungen gemeinnützig sein müssen.

Ihre Kampagne habe wegen der Feiertage erst vor drei Wochen begonnen, sagt Hans Egloff, Präsident des Hauseigentümerverbandes und Co-Präsident des Nein-Komitees. Bei den ersten Umfragen hätten viele Wählerinnen und Wähler noch wenig über die Initiative gewusst. Das habe sich inzwischen geändert. Michael Töngi, Vorstandsmitglied des Mieterverbandes, spricht von einem massivem Einsatz der Gegner. Beide Seiten betonen aber, dass der Abstimmungskampf noch nicht gelaufen sei.

Gemäss einem Prognosemodell der Politologen von LeeWas ist es allerdings unwahrscheinlich, dass die Initiative am Ende angenommen wird. Sie berechneten eine Annahmewahrscheinlichkeit von 23 Prozent. Das bedeutet, dass die Vorlage in etwa einem von vier Fällen angenommen werden würde. Das Modell berücksichtigt neben der Entwicklung in den drei Umfragewellen zur Wohninitiative auch historische Daten von vergangenen Abstimmungen.

Deutliches Ja zum Diskriminierungsverbot

Bei der zweiten Vorlage, die an die Urne kommt, hat sich das Meinungsbild in den letzten Wochen indessen kaum verändert. Das Ja-Lager konnte nochmals leicht zulegen: 69 Prozent der Befragten sind inzwischen sicher oder eher dafür, dass in der Schweiz neu auch Diskriminierung wegen der sexuellen Orientierung strafbar sein soll. 29 Prozent wollen sicher oder eher mit Nein stimmen.

Die Zustimmung zum neuen Verbot ist bei den Anhängern aller grossen Parteien deutlich – ausser bei jenen der SVP. Gemäss dem Prognosemodell von LeeWas ist ein Ja sehr wahrscheinlich. Zu 99 Prozent werde es am 9. Februar ein Ja geben.

In Zusammenarbeit mit LeeWas führen 20 Minuten und Tamedia auf ihren Newsportalen umfassende Abstimmungs- und Wahlumfragen durch.11'311 Personen aus der ganzen Schweiz haben vom 23. bis 25. Januar online an der 3. Welle der 20-Minuten-/Tamedia-Umfrage zu den eidgenössischen Abstimmungen vom 9. Februar 2020 teilgenommen. Die Umfragedaten werden nach demografischen, geografischen und politischen Variablen modelliert. Der Fehlerbereich liegt bei 1,6 Prozentpunkten. Weitere lnformationen finden Sie hier.

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