Unsoziale Mediennutzer

Hasskommentare auf Nachrichtensites sind ein Ärgernis. Die Kommentarfunktion einzuschränken wäre aber falsch.

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Eine grosse Auswertung dieser Zeitung bringt Dinge an den Tag, die man so genau wohl gar nicht wissen möchte. Mit abstossender Beharrlichkeit versucht eine beachtliche Anzahl Internetnutzer, Hassreden auf Newswebsites zu verbreiten – indem sie verbal krawalliert, beleidigt, beschimpft und verleumdet. Rund ein Drittel der Kommentare auf Bernerzeitung.ch/Newsnet ist toxisch, wie sich erweist, muss herausgefiltert und gelöscht werden.

Es ist kein Trost, doch eine Tatsache: Dies ist nicht eine Plage, die einzig Redaktionen von Nachrichtensites heimsucht – vielmehr handelt es sich dabei um ein Phänomen des Internets. Die entpersonalisierte Netzkommunikation wirkt auf viele Zeitgenossen in hohem Mass enthemmend, auch auf Facebook, Twitter und weiteren Plattformen. Das Internet ist nicht das, wofür es lange gehalten wurde, nicht die perfekte Plattform eines demokratischen Diskurses. Und ein geschützter Raum für wohltemperierte ­Konversationen schon gar nicht.

Ja, man kann die Diskussionsmöglichkeiten einschränken, wie dies einige Titel getan haben. Oder die Eintrittsschwelle erhöhen, etwa eine Registrierung mit Klarnamen verlangen. Aber eines sollte man nicht tun: Die Kommentarspalten dichtmachen und abschaffen. Newssites, die ihre Verantwortung ernst nehmen, lassen sich das Prüfen von Leserkommentaren viel kosten. Während sie in der Regel die Beiträge vorgängig, also vor der Veröffentlichung, prüfen, lassen Facebook und Twitter alle Inhalte ungefiltert passieren. Erst auf Hinweise von achtsamen Nutzern werden Postings gelöscht – und genau deshalb geschieht es immer wieder, dass sogar Gewaltvideos, Porno­grafie oder Morddrohungen lange sichtbar bleiben.

Wenn also Medientitel den Aufwand eines professionellen Community-Managements nicht scheuen, können sie ihren Nutzern Diskussionsforen anbieten, in denen es anständiger zu- und hergeht als bei Facebook und Ähnlichen, in denen klüger diskutiert wird. Ohnehin darf es in einer offenen Mediengesellschaft nicht sein, dass wegen einer pöbelnden Minderheit der anständigen Mehrheit das Reden verboten ist.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.02.2018, 22:09 Uhr

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