Zum Hauptinhalt springen

«Uns fehlt der Mut zum Feilschen»

Ex-Staatssekretär Michael Ambühl ortet mehrere Probleme, die einem Verhandlungserfolg mit der EU im Weg stehen. Er sagt, was sich in der Schweizer Strategie ändern muss.

Konsens ist den Schweizern lieber als Konflikt: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga bei EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Brüssel. (2. Februar 2015)
Konsens ist den Schweizern lieber als Konflikt: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga bei EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Brüssel. (2. Februar 2015)
Keystone

Herr Ambühl, gemäss Ihrer Analyse haben typisch schweizerische Verhaltensmuster erschwerende Nebeneffekte bei aussenpolitischen Verhandlungen. Müssten unsere Unterhändler in den Gesprächen mit der EU «den Schweizer abstreifen», um Erfolg zu haben? Die helvetische Bescheidenheit, die Konsenskultur und Konfliktvermeidung, der Purismus: Das sind alles Werte, die sich bewährt haben und die mit ein Grund für den Erfolg des Modells Schweiz sind. Ich möchte keinesfalls suggerieren, dass sich daran grundsätzlich etwas ändern sollte. Es zeigt sich aber, dass sie in gewissen Situationen negative Nebeneffekte haben. So erschwert etwa die Extrapolation unseres inländisch gepflegten Konsens-Verhaltens ein härteres Auftreten im Ausland. Die Bescheidenheit wiederum hat zur Folge, dass die Schweiz in Verhandlungen nicht immer genügend anspricht, was wir Gutes tun. Und schliesslich verzichten wir «puristischen» Schweizer darauf, sachfremde Dossiers zu verknüpfen. Anders gesagt: Man lässt sich nicht auf die Niederungen des Feilschens ein.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.