Zum Hauptinhalt springen

Umstrittener Zürcher Sterbehelfer muss vier Jahre ins Gefängnis

In den Augen der Richter tötete der Psychiater Peter Baumann einen psychisch schwerstkranken Mann, indem er dessen Wunsch zu sterben erfüllte.

Plötzlich sackte der Sterbehelfer auf der Anklagebank zusammen. Nach drei Stunden Verhandlung kippte er nach vorne und blieb auf dem Boden liegen. Gebannt blickte der Gerichtssaal auf den 73-Jährigen, der die Augen öffnete und noch im Aufstehen seine Ausführungen fortsetzte.

Mit der kleinen Einlage hatte Peter Baumann den Richtern demonstrieren wollen, wie harmlos die von ihm erprobten Suizidmethoden mit Plastiksäcken und im Handel erhältlichen Gasen seien. «Mich hat nicht ein Forschertrieb angetrieben», verteidigte sich der Angeklagte gegen den Vorwurf, er habe mindestens zweimal mit Leben und Tod experimentiert. «Ich wollte dem Menschen helfen, damit er sich nicht erschiessen oder vor den Zug werfen musste.»

Das Appellationsgericht Basel-Stadt teilte jedoch Baumanns Überzeugung von der Harmlosigkeit seines Tuns nicht. Vielmehr stufte es die Suizidhilfe für einen 46-jährigen psychisch schwer angeschlagenen Mann als vorsätzliche Tötung ein und verurteilte Baumann zu vier Jahren Haft. Das Basler Institut für Rechtsmedizin hatte aufgrund von handschriftlichen Aufzeichnungen diagnostiziert, der Verstorbene habe an einer Zwangsstörung und an einer schweren Depression gelitten. Er sei deshalb nicht urteilsfähig gewesen. Und Sterbehilfe für Menschen, die nicht frei urteilen können, ist in der Schweiz verboten.

Baumann und sein Verteidiger bestritten, dass der Ex-Postbeamte nicht urteilsfähig gewesen sei. Sie hatten zu ihrer Unterstützung den bekannten Zürcher Psychiater Mario Gmür aufgeboten. Dieser kritisierte gestern sowohl den offiziellen Gutachter als auch Sterbehelfer Baumann: Beide hätten es nicht für nötig befunden, bei Angehörigen und bei Ärzten des Mannes nachzuforschen. So half Baumann dem Sterbewilligen nach nur einem Treffen und vier Telefongesprächen in den Tod.

Der Angeklagte beteuerte, dies habe für eine professionelle Beurteilung gereicht. Das Gericht sah dies in der mündlichen Urteilsbegründung anders: Der Initiator des Vereins Suizidhilfe habe seine eigene Diagnoseart den unter Fachärzten üblichen Methoden vorgezogen und so den Tod eines Urteilsunfähigen in Kauf genommen.

Freispruch im «Rundschau»-Fall

Freigesprochen hat das Gericht Baumann dagegen vom Vorwurf, er habe selbstsüchtig gehandelt, als er einer 60-Jährigen beim Sterben half. Das Schicksal der an den Rollstuhl gefesselten Frau war 2002 von einer Fernsehequipe der Sendung «Rundschau» begleitet worden.

Trotz dieses Teilfreispruchs erhöhte das Gericht die Strafe gegenüber der Vorinstanz von drei auf vier Jahre. Der Staatsanwalt zeigte sich zufrieden. Beim Verurteilten, dem selbst sein Anwalt «einen gewissen missionarischen Eifer» attestiert, wäre alles andere als ein Weiterzug ans Bundesgericht eine Überraschung.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch