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Umschwung in der Agglomeration

Der grosse Meinungsumschwung zur Personenfreizügigkeit kam nicht vom Land, sondern aus den Agglomerationen der grossen Städte.

Bern – Kernstadt kontra Agglo: Die Agglomeration Bern mit 38 Gemeinden  lehnte die Masseneinwanderungsinitiative mit 88'000 zu 59'000 Stimmen ab. Interessant ist der Gegensatz zwischen Kernstadt und Siedlungskranz: In Bern selbst wuchs  das EU-kritische Lager   nur um unterdurchschnittliche 5400 Stimmen. Einzigartig ist aber, dass die Befürworter  um fast ebenso viele Stimmen zulegen konnten. Die Kernstadt  blieb so zu über drei Vierteln EU-freundlich. Rund um Bern allerdings wuchs die Masse der EU-Kritiker überdurchschnittlich: Sie legten um 25'000 Stimmen zu, die Proeuropäer verloren über 4000 Stimmen. Besonders heftig muss in Belp gerungen worden sein, wo die Mobilisierung überdurchschnittlich war, das Lager der EU-Gegner um das Dreifache wuchs, aber auch die EU-Befürworter um 13 Prozent zulegten. Unterdurchschnittlich wuchs die EU-Gegnerschaft  neben Bern nur in Schüpfen, Bäriswil, Allmendingen, Konolfingen und Diemerswil. In den vier letztgenannten Gemeinden war sie allerdings schon lange in der Mehrheit . Resultat: Allein aus der Agglomeration Bern mit 38 Gemeinden kamen 30'000 jener 780'000 Stimmen, die am 9.Februar den Unterschied machten.
Bern – Kernstadt kontra Agglo: Die Agglomeration Bern mit 38 Gemeinden lehnte die Masseneinwanderungsinitiative mit 88'000 zu 59'000 Stimmen ab. Interessant ist der Gegensatz zwischen Kernstadt und Siedlungskranz: In Bern selbst wuchs das EU-kritische Lager nur um unterdurchschnittliche 5400 Stimmen. Einzigartig ist aber, dass die Befürworter um fast ebenso viele Stimmen zulegen konnten. Die Kernstadt blieb so zu über drei Vierteln EU-freundlich. Rund um Bern allerdings wuchs die Masse der EU-Kritiker überdurchschnittlich: Sie legten um 25'000 Stimmen zu, die Proeuropäer verloren über 4000 Stimmen. Besonders heftig muss in Belp gerungen worden sein, wo die Mobilisierung überdurchschnittlich war, das Lager der EU-Gegner um das Dreifache wuchs, aber auch die EU-Befürworter um 13 Prozent zulegten. Unterdurchschnittlich wuchs die EU-Gegnerschaft neben Bern nur in Schüpfen, Bäriswil, Allmendingen, Konolfingen und Diemerswil. In den vier letztgenannten Gemeinden war sie allerdings schon lange in der Mehrheit . Resultat: Allein aus der Agglomeration Bern mit 38 Gemeinden kamen 30'000 jener 780'000 Stimmen, die am 9.Februar den Unterschied machten.
Andreas Blatter
Zürich – Überdurchschnittliche Skepsis:  In der Agglomeration Zürich stimmten am 9.Februar 428'000 Menschen ab. Insgesamt lehnten sie die SVP-Initiative mit 28'000 Stimmen Unterschied ab. Ohne die Kernstadt Zürich wäre das Ergebnis umgekehrt ausgefallen:  Ja mit 15'000 Stimmen Unterschied.  In den meisten Gemeinden rund um Zürich wuchs die Zahl der EU-Skeptiker überdurchschnittlich, im Durchschnitt um 120 Prozent (Durchschnitt Schweiz: 100 Prozent). Und das EU-freundliche Lager verlor statt der durchschnittlichen 5 Prozent 18 Prozent.  Zürich selbst stimmte ähnlich wie Bern. Auch hier legten die EU-Befürworter gegenüber 2000 sogar noch um 6000 Stimmen zu. Im Unterschied zu Bern machten die Gegner mit 15'000 Stimmen aber deutlich mehr Zugewinn in der Kernstadt. Resultat: Aus der Agglo Zürich kamen 108'000 jener 780'000 Stimmen, die den entscheidenden Unterschied ausmachten.
Zürich – Überdurchschnittliche Skepsis: In der Agglomeration Zürich stimmten am 9.Februar 428'000 Menschen ab. Insgesamt lehnten sie die SVP-Initiative mit 28'000 Stimmen Unterschied ab. Ohne die Kernstadt Zürich wäre das Ergebnis umgekehrt ausgefallen: Ja mit 15'000 Stimmen Unterschied. In den meisten Gemeinden rund um Zürich wuchs die Zahl der EU-Skeptiker überdurchschnittlich, im Durchschnitt um 120 Prozent (Durchschnitt Schweiz: 100 Prozent). Und das EU-freundliche Lager verlor statt der durchschnittlichen 5 Prozent 18 Prozent. Zürich selbst stimmte ähnlich wie Bern. Auch hier legten die EU-Befürworter gegenüber 2000 sogar noch um 6000 Stimmen zu. Im Unterschied zu Bern machten die Gegner mit 15'000 Stimmen aber deutlich mehr Zugewinn in der Kernstadt. Resultat: Aus der Agglo Zürich kamen 108'000 jener 780'000 Stimmen, die den entscheidenden Unterschied ausmachten.
Keystone
Lugano – Meinung  war gemacht: Das Tessin ist bekanntlich ein Spezialfall. Es war flächendeckend schon immer gegen die Annäherung an Europa.  Die Agglomeration Lugano stimmte der SVP-Initiative mit 31'000 zu 15'000 Stimmen deutlich zu. Aber die selbe Agglomeration hatte schon die Bilateralen mit 20'000 zu 16'000 Stimmen abgelehnt. Zwar legten auch in und um Lugano die EU-Gegner noch einmal zu, aber deutlich unter dem Durchschnitt. Ihr Lager wuchs  um 40 Prozent weniger stark als im Rest des Landes. Dementsprechend kamen aus diesem Raum nur 12'000 der 780'000 Stimmen, die am 9.Februar den Unterschied ausgemacht haben – noch weniger als aus den kleineren Agglomerationen  Thun und Biel.
Lugano – Meinung war gemacht: Das Tessin ist bekanntlich ein Spezialfall. Es war flächendeckend schon immer gegen die Annäherung an Europa. Die Agglomeration Lugano stimmte der SVP-Initiative mit 31'000 zu 15'000 Stimmen deutlich zu. Aber die selbe Agglomeration hatte schon die Bilateralen mit 20'000 zu 16'000 Stimmen abgelehnt. Zwar legten auch in und um Lugano die EU-Gegner noch einmal zu, aber deutlich unter dem Durchschnitt. Ihr Lager wuchs um 40 Prozent weniger stark als im Rest des Landes. Dementsprechend kamen aus diesem Raum nur 12'000 der 780'000 Stimmen, die am 9.Februar den Unterschied ausgemacht haben – noch weniger als aus den kleineren Agglomerationen Thun und Biel.
Keystone
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Über Abstimmungen denkt die Schweiz in Prozenten und Karten. Das ergibt ein geografisches Stimmungsbild – aber es verstellt den Blick auf die Relationen. Deshalb geht es im Folgenden weniger um Prozente als um die Verschiebung von Stimmen in absoluten Zahlen.

Am 21.Mai 2000 legte der Bundesrat das Paket der bilateralen Verträge zur Abstimmung vor. Alle grossen Parteien waren dafür. Nur die Auns plädierte hauptsächlich wegen der darin enthaltenen Personenfreizügigkeit dagegen. Obwohl die Nervosität vor der Abstimmung gross war, gab es ein deutliches Ja: 1,5 Millionen Stimmberechtigte stimmten zu, nur 730'000 sagten Nein. Etwas enttäuschend war lediglich die Stimmbeteiligung, die bei 48 Prozent oder 2,2 Millionen lag. Bei der EWR-Abstimmung von 1992 waren 3,55 Millionen Schweizerinnen und Schweizer an die Urne gegangen.

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