«Turm in Vals? Vielleicht ist es richtig, einen Kontrast zu schaffen»

Mittwoch, 14 Uhr, auf dem Dorfplatz in Vals. Bernerzeitung.ch/Newsnetz spricht mit den Bewohnern im Bündner Seitental über den vorgeschlagenen 381-Meter-Hotelturm.

Valser nehmen Stellung zum Hotelturm, den Investor Remo Stoffel in ihrem Dorf plant. (Video: Lea Blum)
Matthias Chapman@matthiaschapman

Das Wetter – mehrheitlich trüb. Die Touristen – zu dieser Jahreszeit nur noch spärlich anwesend. Das Dorfthema – der riesige Hotelturm, den die Investoren Remo Stoffel und Pius Truffer in ihrem Dorf bauen wollen. In Vals, zweieinhalb Autostunden von Zürich entfernt, steht man dem Grossprojekt skeptisch gegenüber.

«Das ist Grössenwahn, der jetzt hier angekommen ist mit dem Ganzen. Es wäre ideal, wenn man etwas Kleines bauen könnte, das dem Rahmen des Dorfes entspricht», sagt Ignaz Berni. Der 43-jährige Landwirt lebt seit je in Vals und hat sichtlich Mühe mit den neuen Hochhausplänen. Und auch die Jugendliche Tanja Berni kann sich einen solchen Turm im Dorf nicht vorstellen: «Ich finde, der Turm passt nicht zu Vals, erstens ist er zu hoch, und zweitens glaube ich nicht, dass Besucher hierherkommen, die 25'000 Franken für eine Nacht bezahlen. Das passt einfach nicht zu diesem Dorf.»

Das Dorf wird am Abend informiert

Um 13 Uhr präsentierte der Unternehmer in Kloten seine Pläne. Dies, nachdem einiges bereits Tage zuvor durchgesickert war. Hoch soll er werden, der Hotelturm. Genau genommen 381 Meter. 50 Millionen habe er schon investiert, 150 Leute seien beschäftigt.

Das sagte Stoffe am Nachmittag in Kloten zum Projekt:

(Video: Lea Koch. Fragen: Ewa Hess.)

Noch heute Abend informieren Stoffel und Truffer im Dorf selber darüber, was sie vorhaben. Dabei wolle man keine Journalisten, hiess es heute Mittag. Die Valser sollen sich selber einmal ein Bild machen können.

Immerhin, eine Stimme findet, die Pläne hätten eine Chance verdient: «Architektonisch ist es schwierig, etwas zu schaffen, das passt. Vielleicht ist es deshalb richtig, einen Kontrast zu schaffen», sagt die 32-jährige Hochbauzeichnerin und Farbgestalterin Erika Furger.

Die Bilder zum Projekt:

  • loading indicator

Ob der Turm je gebaut wird, steht in den Sternen. Welche Hürden er zu nehmen hätte, lesen Sie hier.

Und wie steht es mit einem zusätzlich Tourismus-Angebot in der oberen Preisklasse? Hat die Schweiz hier überhaupt noch Bedarf? Dieser Markt sei international und grundsätzlich nach oben offen, sagt Branchenkenner Christian Lässer im Interview mit Bernerzeitung.ch/Newsnetz. Er glaubt aber, dass es für dieses Segment in Vals an zusätzlichen Angeboten fehle. Dies ganz im Gegensatz etwa zu Samih Sawiris' Resort in Andermatt, wo ein ganzer «Luxus-Cluster» aufgebaut werde.

Hochhäuser rechnen sich nicht

Wenig Freude an dem Projekt hat der bekannte Architekturkritiker Benedikt Loderer, wie er in diesem Interview bereits am Sonntag darlegte. «Ich habe den Eindruck, dass Herr Stoffel ein windiger Investor ist und der Bau nicht kommen wird», sagte er.

Und wirtschaftlich lohnen tun sich Hochhäuser selten, weil die Kosten für den Betrieb mit der Höhe zunehmen. Dies erläuterte der Professor für Baustatik und Konstruktion an der ETH Zürich, Thomas Vogel, in diesem Beitrag.

Und wer ist eigentlich Remo Stoffel? Autor Jürg Ackermann porträtierte ihn hier, als er im Zusammenhang mit der Therme Vals als Investor auftauchte.

Für Stoffel dürfte es schwierig werden, dieses Projekt zu realisieren. Mit dem Bau eines Luftschlosses wäre er allerdings bei weitem nicht allein. Was nur schon in Zürich an Plänen für grosse Würfe vorhanden war, sehen Sie hier.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt