«Trump handelt unverantwortlich»

Am Energie- und Klimakongress Swiss ECS warnte der frühere UNO- ­Generalsekretär Ban Ki-moon US-Präsident Donald Trump: Er stehe kurz davor, einen ­epochalen Fehler zu begehen.

Ban Ki-moon kämpft um sein Vermächtnis, das in der UNO ausgehandelte Pariser Klimaabkommen.

Ban Ki-moon kämpft um sein Vermächtnis, das in der UNO ausgehandelte Pariser Klimaabkommen. Bild: Nicole Philipp

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Ban Ki-moon ist zwar schon über 45-mal in der Schweiz gewesen. Der Generalsekretär der UNO in den Jahren 2007 bis 2016 und frühere Aussenminister Süd­koreas kennt allerdings von diesem «Musterstaat» bislang nur den Flughafen Zürich und das internationale Genf. Gestern ist er nach Bern gereist, um am Schweizer Energie- und Klimagipfel Swiss ECS aufzutreten. Seine Mission: «Ich will unterstreichen, wie immens wichtig es ist, das Pariser Klimaabkommen umzusetzen.»

Vor seiner Rede stand Ban ­Ki-moon Journalisten für ein Gespräch zur Verfügung. Er liess die Themen offen, wirkte entspannt und sehr gut gelaunt, blieb aber meistens ziemlich diplomatisch. Dabei könnte er nun ohne die Bürden eines UNO-Generalsekretärs und nach dem Scheitern ­seiner Ambitionen für das Amt des südkoreanischen Präsidenten angriffiger reden.

Umdenken oder abdanken

Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, aus dem von der UNO angeregten Pariser ­Klimaabkommen austreten zu wollen, kritisierte er aber unverblümt als «völlig inakzeptabel und unverantwortlich». Die führende Wirtschaftsmacht und zweitgrösste Produzentin von Treibhausgasen müsse ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Ban Ki-moon scheint überzeugt zu sein, dass Trump einmal mehr eine Kehrtwende machen wird und die USA doch nicht austreten werden. Schliesslich habe Trump in den USA viele Gegner, selbst Mitglieder seiner Regierung wollten die Klimapolitik überdenken.

Zudem dauere es vier Jahre, bis die Vertragskündigung wirksam würde, betonte Ban Ki-moon. In anderen Worten: Womöglich ist Trumps Präsidentschaft dann schon zu Ende. Wenn sich Trump nicht umentscheide, werde er am Ende «auf der falschen Seite der Geschichte» stehen, prognostizierte der Südkoreaner dann in seiner Rede. Die USA würden wegen ihrer Politik an Macht in der Welt verlieren. «Wenn die USA aus dem Klimaabkommen austreten, ist dies kein Versagen der UNO, sondern von Trump.»

Entscheidend ist für Ban ­Ki-moon aber nicht einzig das Verhalten der amerikanischen Regierung: «Auch ein kleines Land wie die Schweiz kann grossen Einfluss haben.» Und Klimaziele würden sowieso nicht von Regierungen umgesetzt, sondern von den Bürgerinnen und Bürgern sowie von Unternehmen. Damit könne jeder einen Beitrag leisten für eine positive Energiezukunft. Dies sei unbedingt nötig, denn er habe auf seinen Reisen als UNO-Generalsekretär rund um die Welt gravierende Folgen des Klimawandels gesehen.

Nordkorea unter Druck setzen

Ban Ki-moons Kritik an der US-Regierung ist bemerkenswert, weil die Vereinigten Staaten der wichtigste Verbündete Südkoreas im Konflikt mit Nordkorea sind. Die Situation taxiert er nach den jüngsten Atombomben- und Raketentests als «so angespannt wie nie seit dem Koreakrieg».

Allerdings sieht er den Schlüssel zur Entspannung nicht in ­Washington, sondern in Peking. Auch für eine Vermittlung, wie von Bundespräsidentin Doris Leuthard vorgeschlagen, sei es wohl zu früh. «Zuerst muss sich China stärker einbringen, um Nordkorea zu mässigen.» Dies mit noch schärferer Isolation: «90 Prozent des verbliebenen Aussenhandels von Nordkorea laufen mit China», hielt Ban Ki-moon fest. Ein weiterer Einschnitt sei für das Reich der Mitte verkraftbar, «es geht um weniger als zehn Milliarden Dollar». Aber China und Russland hätten zum Beispiel die Lieferungen von Erdölprodukten trotz des in der UNO beschlossenen Embargos erst um ein Drittel gekürzt.

Auf die Frage, ob die USA taktische Atomwaffen in Südkorea stationieren sollten, blieb Ban Ki-moon vage. Südkoreas Präsident Moon Jae-in habe dies abgelehnt, sagte er einzig. Hier fiel der ehemalige UNO-Generalsekretär in seine alte Rolle zurück. UNO-Generalsekretär sei in der Tat der schwierigste Job der Welt. Man habe direkt keine militärische Macht, sondern sei von den Vetomächten abhängig. «Es bleiben aber moralische Macht und Überzeugungskraft», sagte er.

Für sein Lebenswerk für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz überreichte ihm Adolf Ogi zum Schluss eine Auszeichnung des Swiss ECS. Der ­frühere UNO-Sonderberater für Sport hatte natürlich auch ein Kristallgeschenk parat. Und jetzt, nach dem Gipfel, kann Ban Ki-moon endlich mehr sehen von der Schweiz. Ein Ziel ist das Jungfraujoch. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.09.2017, 10:46 Uhr

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