Zum Hauptinhalt springen

Tessiner Werbekampagne sorgt für Empörung

Ein Werbeplakat mit drei Ratten, die klar als aus der EU stammend gekennzeichnet sind und über Schweizer Käse herfallen, sorgt im Tessin für Gesprächsstoff. Die Urheber halten sich bedeckt.

«Die Grenze des guten Geschmacks überschritten»: Im ganzen Tessin wurden rund 60 dieser Werbeplakate aufgehängt.
«Die Grenze des guten Geschmacks überschritten»: Im ganzen Tessin wurden rund 60 dieser Werbeplakate aufgehängt.

Die drei Nagetiere auf dem Tessiner Werbeplakat symbolisieren italienische Grenzgänger, ausländische Kriminelle und den italienischen Fiskus. Wer hinter der Kampagne steckt, ist nicht bekannt. Die SVP habe damit nichts zu tun, sagte Pierre Rusconi, der Präsident der Tessiner SVP, auf Anfrage. Aber die Sujets würden ihm gefallen.

Ausgeheckt hat diese der Werber Michel Ferrise aus Muralto bei Locarno. Es sei «wahrscheinlich», dass seine Auftraggeber Unternehmer seien, sagte Ferrise am Dienstag in einem Interview im «Corriere del Ticino». Mehr wollte er nicht verraten. Seine Firma arbeite seit rund einem halben Jahr an dem Projekt. Im ganzen Kantonsgebiet werden rund 60 Werbeplakate aufgehängt. Zudem ist eine Internetseite (www.balairatt.ch) aufgeschaltet worden. Geplant ist, eine Art Geschichte zu erzählen. Die Konstante werde der Käse sein, sagte Ferrise.

Unterlegt werden die Sujets mit kurzen Textbotschaften wie «45'000 Grenzgänger - Nein zur Invasion der Grenzgänger» oder «60 Prozent der Verbrechen werden von Ausländern begangen - Nein zum wachsenden Kriminalitätsimport».

Tremonti als Ratte verunglimpft

Die drei Ratten haben zudem Namen. Einer heisst Bogdan, trägt eine Maske und ist Rumäne, denen nachgesagt wird, im Tessin für zahlreiche Einbrüche verantwortlich zu sein. Eine andere Ratte ist der Plattenleger Fabrizio aus Verbania, womit auf die weit verbreitete Meinung angespielt wird, die italienischen Grenzgänger würden den Einheimischen die Arbeit wegnehmen.

Die dritte Ratte heisst Giulio, ein Anwalt aus der Lombardei. Er trägt einen Schild - ein deutlicher Hinweis auf den italienischen Finanzminister Giulio Tremonti, der mit seinem «Steuerschild», dem so genannten «Scudo fiscale», den Tessiner Bankenplatz trockenlegen wollte.

Die Kampagne sorgte gleich für Schlagzeilen. Der «Corriere della Sera» sprach von einer «Schock-Kampagne». Und der «Corriere del Ticino» kommentierte: «Die Botschaft ist an der Grenze der Legalität und hat jene des guten Geschmacks überschritten.»

Kritik der Regierung

Die Gewerkschaft Unia wiederum fühlt sich an faschistische Propaganda erinnert. Sie erwartet eine Stellungnahme von den Tessiner Politikern und Unternehmern. Wenn man schweige, stimme man der «nazistischen Propaganda» zu, heisst es in einem Communiqué der Unia.

Kritik an der Kampagne äusserte auch die Tessiner Regierung. Sie verwies in einem Communiqué auf den wichtigen Beitrag, den ausländische Arbeitskräfte im Tessin leisten würden, etwa auf dem Bau, in der Tourismusbranche oder im Gesundheitswesen.

SDA/jak

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch