Swisscom wird zum Datenkraken

Die Swisscom will künftig ihren Kunden personalisierte Angebote zustellen. Dazu will sie eine breit angelegte Datensammlung über jeden Nutzer erstellen. Die Swisscom startet auto­matisch damit, ausser der Kunde klinkt sich aus.

Der Datenkranke Swisscom will grossflächig Nutzerdaten sammeln.

Der Datenkranke Swisscom will grossflächig Nutzerdaten sammeln. Bild: Bild Fotolia/Montage BZ

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Kundendaten gelten als das Gold des digitalen Zeitalters. Inskünftig will die Swisscom eine riesige Datensammlung aufbauen. Das geht aus den neuen allgemeinen Geschäftsbedingungen hervor, welche die Swisscom in diesen Tagen ihren Kunden zugestellt hat. Darin teilt sie mit, dass sie nun mit dem Sammeln der Daten für Marketingaktivitäten be­gonnen hat.

Bei Kunden, die nichts tun, beginnt die Swisscom wie ein Krake Daten zu sammeln. Wer nicht möchte, dass seine Daten für Marketingzwecke verwendet werden, muss sich ausdrücklich auf der Internetseite der Swisscom abmelden. Das Unternehmen macht sich mit diesem Vorgehen die Tatsache zunutze, dass die meisten Kon­sumenten träge sind und sich nur ein kleiner Teil von ihnen diese Mühe machen wird.

Der grosse Datenhunger

In der allgemeinen Datenschutzerklärung für Privatkunden führt die Swisscom auf, was sie alles registrieren möchte. Die Sammlung ist ziemlich umfassend. Hier ein paar Beispiele von Daten, welche die Swisscom sammeln will:

Art und Umfang der Nutzung der Produkte und Dienstleitungen der Swisscom;

Adresse der Website, von der ein Kunde auf die Internetseite der Swisscom gekommen ist;

Haushaltsgrösse, Einkommensklasse und Kaufkraft, Einkaufsverhalten; diese Daten will die Swisscom von Datenlieferanten und Adresshändlern kaufen;

Daten über das Surfverhalten und über Interessen; diese Informationen will die Swisscom von anderen Betreibern von Internetseiten und von Onlinenetzwerken beschaffen.

Immerhin: Es gibt auch Daten, auf die die Swisscom nicht zugreift. Zum Beispiel Inhaltsdaten wie Texte in SMS-Nachrichten.

Mit all diesen Daten will die Swisscom «auf Ihre Kundenbedürfnisse besser abgestimmte Werbung und Angebote» unterbreiten können. Die Swisscom will diesen Datenberg allen Konzerngesellschaften zur Verfügung stellen. Besonders für die Onlinehandelsplattform Siroop – eine Art Schweizer Amazon – dürften diese Daten von höchstem Interesse sein.

Anonyme Auswertungen

Doch damit nicht genug. Die Swisscom will ihren Datenschatz weiter vergolden, indem sie anonymisierte Daten externen Werbevermarktungsfirmen zur Verfügung stellt. Diese wiederum können die Swisscom-Daten dank der anonymen Internet­zugangsnummer – der soge­nannten IP-Adresse – mit ihren Daten verknüpfen. Daraus entsteht ein Eldorado für Daten­analytiker.

Die Sammelwut der Swisscom steht auch im Zusammenhang mit der Gründung des Werbe­vermarktungsunternehmens Admeira, welches sie zusammen mit der SRG und dem Verlagshaus Ringier gegründet hat. Das Ziel dieses Unternehmens ist es, den Nutzern von Internetseiten oder den Fernsehzuschauern ei­nes Tages Werbung einzuspielen, für welche sich der Kunde mit einer hohen Wahrscheinlichkeit interessiert. Geht dieser Plan auf, werden eines Tages Eltern von Kleinkindern gezielt mit Werbung für Windeln bespielt werden. Oder Männer über 35 werden mit Spots für Heimwerkermärkte bedacht.

Und noch einen weiteren Da­tenschatz will die Swisscom he­ben. Sie verfügt von ihren Mobilfunkkunden über Standortinformationen ihrer Nutzer. Diese will sie für anonymisierte Datenanalysen verwenden. Da die Swisscom einen hohen Markt­anteil hat, lassen sich anhand ­dieser Daten beispielsweise Verkehrsströme zuverlässig berechnen (wir berichteten).

Kunden haben Einsichtsrecht

Immerhin weist die Swisscom die Kunden auf ein paar ihrer Rechte hin. So können sie schriftlich und unentgeltlich Auskunft darüber verlangen, welche Daten die Swisscom über sie gesammelt hat. Stellen sie dabei Fehler fest, können sie eine Korrektur verlangen. Das ist indes kein Entgegenkommen der Swisscom: Diese Rechte der Kunden sind im Datenschutzgesetz verankert.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 25.03.2017, 11:46 Uhr

Teurere Mahnung

Die Swisscom stellt in diesen Tagen ihren Kunden die neuen allgemeinen Geschäftsbe­dingungen zu. Diese bringen für die Kunden diverse Verschlechterungen. So erhöht sich die Mahngebühr von 20 auf 30 Franken. Und wer trotz Mahnung nicht bezahlt, für den kann es richtig teuer werden. Zuerst einmal werden Verzugszinsen von fünf Prozent fällig – trotz Negativzinsumfeld. Zudem droht die Swisscom mit dem Beizug von Inkassofirmen. Diesen sei sofort eine Mindestgebühr zu bezahlen. Darüber hinaus wird der Aufwand der Inkassofirma fällig. Wer beispielsweise eine Rechnung von 500 Franken trotz Mahnung nicht bezahlt, dem verrechnet die Swisscom Inkassogebühren von rund 210 Franken.

Artikel zum Thema

Quickline fordert Swisscom heraus

Nach fast drei Jahren Entwicklungszeit lanciert der Kabelnetzverbund Quickline seine neue TV-Box. Die Plattform setzt auf ein personalisiertes Fernseherlebnis. Mehr...

Swisscom darf in Bern 100 Kleinstantennen installieren

Bern Die Swisscom kann in der Stadt Bern maximal hundert Mobilfunk-Kleinstantennen installieren. Der Berner Gemeinderat hat dem Schweizer Mobilfunkanbieter dafür eine auf fünf Jahre befristete Rahmenkonzession erteilt. Mehr...

UPC-Kunden ärgerten sich 2016 am  häufigsten über Ausfälle

Wie störungsanfällig sind die Netze von Swisscom, UPC und Sunrise? Die Firmen selbst geben dazu keine Zahlen bekannt. Eine Analyse von Pannenmeldungen im Internet lässt erahnen, wer im vergangenen Jahr am zuverlässigsten war. Mehr...

Blog

Kommentare

Die Welt in Bildern

Ein kleines Kunstwerk: Webervögel bauen ein Nest auf einem Bambusbaum in Lalitpur, Nepal.
(Bild: Navesh Chitrakar) Mehr...