Steigende Gesundheitskosten bereiten am meisten Sorgen

CVP und SP planen im Wahljahr Initiativen für tiefere Gesundheitskosten. Laut der Tamedia-Umfrage unterstützt derzeit eine Mehrheit die Begehren.

Mehr als 10'000 Franken pro Einwohner: Die Schweiz durchbricht dieses Jahr bei den Gesundheitskosten eine Grenze. Bild: Simon Tanner

Mehr als 10'000 Franken pro Einwohner: Die Schweiz durchbricht dieses Jahr bei den Gesundheitskosten eine Grenze. Bild: Simon Tanner

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In diesem Jahr wird eine Grenze durchbrochen: In der Schweiz werden erstmals mehr als 10'000 Franken pro Einwohner für die Gesundheit ausgegeben. Vor zehn Jahren waren es pro Kopf noch knapp 8000 Franken. Insgesamt werden sich die Gesundheitskosten 2018 auf über 86 Milliarden Franken belaufen. Die Bevölkerung spürt das, am unmittelbarsten über die steigenden Prämien der obligatorischen Krankenversicherung. Diese deckt aber nur ein Drittel der Gesundheitskosten. Den Rest zahlen der Staat, andere Versicherungen und die Patienten aus dem eigenen Sack.

Angesichts dieser Entwicklung ist es nachvollziehbar, dass die Gesundheitskosten in der neuen Tamedia-Wahlumfrage mit Abstand als das drängendste Problem wahrgenommen werden. 70 Prozent der Befragten aus allen Sprachregionen waren dieser Ansicht. Ihr politischer Hintergrund hatte dabei kaum Einfluss. Die steigenden Gesundheitskosten werden quer durch alle Parteien als grosses Problem eingestuft.

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Zum Vergleich: Bei der Altersvorsorge, dem Verhältnis zur EU oder der Zuwanderung sieht aktuell rund jeder zweite Befragte grosse Probleme. Bei der Arbeitslosigkeit, der Kriminalität oder dem Terrorismus jeder fünfte. Die Problemwahrnehmung hat im Vergleich zur letzten Tamedia-Wahlumfrage fast überall abgenommen. Die Ausnahme sind die Gesundheitskosten.

Nicht stärker als die Löhne

Die Sorgen um die Gesundheitskosten haben auch die Parteien registriert. SP und CVP wollen auf das Wahljahr 2019 je eine Volksinitiative lancieren:

  • Die CVP beginnt im Oktober mit der Unterschriftensammlung. Sie will eine Kostenbremse im Gesundheitswesen einführen. Wachsen die Kosten – wie das in den letzten Jahren der Fall war – stärker als Löhne und Wirtschaft, müssten neu Bund und Kantone zwingend mit Sparmassnahmen eingreifen.
  • Die SP zielt nicht direkt auf die Gesundheitskosten, sondern auf die Krankenkassenprämien. Sie will Anfang 2019 eine Initiative lancieren, die dafür sorgen soll, dass kein Haushalt mehr als 10 Prozent des verfügbaren Einkommens für die Prämien ausgeben muss. Schon heute liegen die Ausgaben vieler Haushalte über diesen 10 Prozent – teils trotz Prämienverbilligung. Bedingung für die Initiative ist, dass der SP-Parteikongress Anfang Dezember zustimmt, wie Generalsekretär Michael Sorg sagt.

Gesundheitskosten beschäftigen auch den Mittelstand

In der Tamedia-Umfrage wurden die Teilnehmer zu beiden Initiativen befragt. Die Unterstützung ist gegenwärtig sehr gross: 71 Prozent sagen Ja oder eher Ja zur CVP-Initiative. Bei der SP-Initiative sind es 62 Prozent. Die CVP-Initiative wird bei den Wählern aller grossen Parteien von einer Mehrheit unterstützt. Gegen die SP-Initiative sprechen sich einzig die FDP-Wähler aus.

Für CVP-Präsident Gerhard Pfister zeigt die Umfrage, dass die Gesundheitskosten inzwischen auch den Mittelstand beschäftigen. Aus Sicht seiner Partei ist Sparpotenzial vorhanden, ohne dass die Qualität im Gesundheitswesen leidet.

Genützt hat der CVP der Fokus auf das Thema bislang wenig. Gemäss Tamedia-Umfrage muss sie bei den nächsten Wahlen mit Verlusten rechnen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.06.2018, 20:45 Uhr

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