Stecker raus!

Jedes siebte Elektrogerät weist Mängel auf. Meist sind sie nicht offensichtlich und gerade darum gefährlich.

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Manchmal wird ein Stecker zur tödlichen Gefahr. Und nicht immer ist diese so offensichtlich wie bei einem Verlängerungskabel mit zwei Steckern. Letztes Jahr blieb eine Steckleiste in einer Kontrolle der Marktüberwachung des Eidgenössischen Starkstrominspektorats (Esti) hängen: Deren USB-Schnittstelle, die eigentlich nur unter einer Spannung von 5 Volt stehen sollte, stand bei Tests plötzlich unter 230 Volt – 46-mal mehr. Wer hier ahnungslos ein USB-Kabel einsteckt, hat ein Problem.

Davor will der Leiter der Fachstelle, Peter Fluri, Kundinnen und Kunden bewahren. Tagein, tagaus testet er mit seinem Team Elektrogeräte. Letztes Jahr 1555. Bei jedem siebten wurden Mängel festgestellt, unter anderem bei der Steckleiste mit der USB-Schnittstelle. Ende November wurde sie offiziell auf der Website des Büros für Konsumentenfragen zurückgerufen.

108 Verkaufsverbote

Bei den 217 festgestellten Mängeln im vergangenen Jahr musste das Esti 108-mal zur härtesten Massnahme greifen und den Verkauf des Produkts verbieten. Portable Haushaltsgeräte, Stecker, Adapter, Zeitschaltuhren, Akkus und Ladegeräte von Laptops und Smartphones sind die Schlager darunter.

«Das wohl abstruseste in meiner Zeit bei der Materialüberwachung war aber das Verlängerungskabel mit den zwei Steckern», erzählt Fluri. Der Fehler ist hier zwar sehr offensichtlich, aber auch sehr gefährlich. Wer bei eingestecktem Kabel die frei zugänglichen Phasen berührt, erleidet einen Stromschlag direkt aus der Steckdose.

Peter Fluri leitet die Fachstelle seit acht Jahren. Dabei hat er ein Gespür dafür entwickelt, wo man hinschauen muss. Nicht immer stossen seine Experten aber selber darauf. Oft gehe sein Team Hinweisen von Fachleuten nach oder werde sogar von Herstellern auf Mängel hingewiesen. Zuerst überprüfe man dann jeweils, ob die Zulassungspapiere in Ordnung seien. Die stärkere Normierung der Geräte betrachtet Fluri als Gewinn: «Hersteller, welche die Normen gewissenhaft beachten, können in der Regel gefährliche Mängel ausschliessen.» In einer Welt, in der wir uns mit immer mehr Elektrogeräten umgeben, sind gemeinsame Regeln auch unumgänglich.

Vorsicht bei Online-Billigware

Den Qualitätsgewinn der Normierung droht jedoch die Tendenz, dass viele Geräte heute nur noch kurzlebige Wegwerfartikel sind, zu neutralisieren. Darum rät Fluri, keine Billigware aus Fernost bei Online-Anbietern zu kaufen. Wer sichergehen will, achtet laut Fluri darauf, ob ein erreichbarer und kompetenter Kundendienst vorhanden ist. Besonders Vorsichtige können das S+-Siegel suchen auf dem Artikel. Diese Produkte haben einen Qualitätscheck seiner Fachstelle durchlaufen. «Es gibt Hersteller, die ihre Geräte freiwillig zertifizieren lassen», sagt Fluri.

Wer sich informieren will, findet die aktuellste Liste mit Produkterückrufen und Sicherheitsinformationen auf der Website des Eidgenössischen Büros für Konsumentenfragen. Dort werden auch sicherheitsrelevante Hinweise anderer Fachstellen wie der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) publiziert. Die Häufigkeit der Mängel liegt im Übrigen bei Elektrogeräten seit längerem stabil bei rund einem Siebtel der geprüften Geräte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.05.2018, 15:26 Uhr

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