Zum Hauptinhalt springen

Stadt-Land-Graben bei den Geschlechtern

In ländlichen Kantonen wie der Zentralschweiz leben signifikant weniger Frauen als Männer. Andere Regionen haben ein anderes Verhältnis.

jdr/fal
Dem Land oft den Rücken gekehrt: Zwei Frauen spazieren bei windigem Wetter in Luzern. (31. März 2015)
Dem Land oft den Rücken gekehrt: Zwei Frauen spazieren bei windigem Wetter in Luzern. (31. März 2015)
Anthony Anex, Keystone
Tag der Frau in Genf: In der Schweiz gibt es im Geschlechterverhältnis einen Graben zwischen Stadt und Land. (8. März 2016)
Tag der Frau in Genf: In der Schweiz gibt es im Geschlechterverhältnis einen Graben zwischen Stadt und Land. (8. März 2016)
Jean-Christophe Bott, Keystone
1 / 4

Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) zur ständigen Wohnbevölkerung in der Schweiz zeigen Interessantes. Während in ländlichen Kantonen Männer die klare Mehrheit stellen, sind die Frauen in urbanen Regionen wie Genf und Basel zahlreicher vertreten als das andere Geschlecht. Der Hauptgrund ist, so das BFS, dass viele Frauen ländlichen Gegenden in der Vergangenheit den Rücken kehrten. So lebten im Kanton Genf 2015 fast 16'000 Frauen mehr als Männer, im Kanton Schwyz bestand dagegen ein Überhang des männlichen Geschlechts von knapp 3600.

Zwar beträgt der Frauenanteil an der Bevölkerung schweizweit 50,5 Prozent, auf kantonaler Ebene lassen sich aber Unterschiede beobachten. Am meisten Frauen leben prozentual mit 51,8 Prozent in Basel-Stadt, am wenigsten in Appenzell Innerrhoden mit 48,7 Prozent.

Dabei zeigt sich ein ausgeprägter Stadt-Land-Graben. In ländlichen Regionen wie der Zentral- und Ostschweiz stellen die Männer die Bevölkerungsmehrheit. Einen Frauenüberhang gibt es dagegen vor allem in der Westschweiz und in urbanen Regionen wie Zürich, Bern und Basel.

Arbeitsmarkt ist von Bedeutung

Eine wichtige Rolle spielt der Arbeitsmarkt. Es gebe grundsätzlich mehr Stellen für Männer in der Landwirtschaft und in der Industrie, erklärt Martin Schuler, emeritierter Professor der ETH Lausanne (EPFL), der Nachrichtenagentur sda. Gesundheitsjobs und jene im Verkauf und der Administration richteten sich eher an Frauen.

Die Jobs im Dienstleistungssektor seien in der Regel in den Städten angesiedelt, während sich Tätigkeiten in der Landwirtschaft und Industrie in Dörfern und ländlichen Gegenden konzentrierten, sagt Geographie-Professor Jacques Lévy von der EPFL.

Abwanderung und Migration

In der Folge wanderten Frauen aus ländlichen in urbane Regionen ab. Dies hat deutliche Spuren in der Statistik hinterlassen. So fehlen in der Zentralschweiz vor allem Frauen in der Altersgruppe über 50, wie EPFL-Professor Schuler erklärt.

Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass Frauen eine um vier bis fünf Jahre höhere Lebenserwartung haben. Dass ein höherer Frauenanteil in einem Kanton mit einer älteren weiblichen Bevölkerung zusammenhängt, zeigt sich gut in Bern und Basel-Stadt. In der Zentralschweiz gibt es dagegen auch deshalb mehr Männer, weil in der Schweiz mehr Knaben als Mädchen geboren werden.

Auswirkungen auf das Geschlechterverhältnis hat aber auch die Zuwanderung. Laut BFS ist sie vor allem in städtischen Kantonen «weiblicher» geworden ist. Kantone wie Zürich, Waadt, Basel und Genf verzeichnen nicht zufällig einen überdurchschnittlichen Ausländeranteil zwischen 26 und 41 Prozent.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch