Spielgruppe lehnt Kinder von Schwulen-Paar ab

«Weder normal noch natürlich»: In Lenzburg brüskiert die Leiterin einer Spielgruppe ein homosexuelles Elternpaar.

Wegen ihrer schwulen Eltern wurde Zwillingen die Aufnahme in die Spielgruppe verboten. Symbolbild: iStockphoto

Wegen ihrer schwulen Eltern wurde Zwillingen die Aufnahme in die Spielgruppe verboten. Symbolbild: iStockphoto

Wer im Kanton Aargau eine Spielgruppe leiten möchte, braucht keine spezielle Betriebsbewilligung, da die Kinder nur halbtags betreut werden. «Im Zentrum steht gleichwohl aber das Wohl der Kinder», wie der Lenzburger Stadtrat Andreas Schmid gegenüber dem «Lenzburger Bezirks-Anzeiger» sagt.

Dieses Wohl wurde allerdings von einer Spielgruppenleiterin in den Hintergrund gedrückt. Sie verweigerte den dreieinhalbjährigen Zwillingen Rafael und Rahul die Aufnahme in ihre Gruppe. Dies, weil die Eltern der Brüder homosexuell sind. Gegenüber den Eltern argumentierte die Frau, dass «eine solche Konstellation weder normal noch natürlich sei». Diese Aussage bestätigte sie auch auf Anfrage des Bezirks-Anzeigers.

Kein Verständnis für diese Art der Diskriminierung hat Regula Aeschbach, Leiterin Regionalgruppe Aarau. «Jedem Kind soll der Zugang zu einer Spielgruppe ermöglicht werden. Diskriminierendes Verhalten ist in Spielgruppen nicht erwünscht.»

Auch Andreas Schmid kann die Entscheidung der Spielgruppenleiterin nicht nachvollziehen. Er sagt: «Ich persönlich habe für die Haltung dieser Spielgruppenleiterin kein Verständnis.» Trotzdem, die Spielgruppenleiterin könne selbst entscheiden, welche Kinder sie in ihre Gruppe aufnimmt.

Auf städtischer Internetseite geführt

Die betroffene Spielgruppe wird gemäss Angaben der «Aargauer Zeitung» von einer Frau Ende fünfzig geleitet und ist für Kinder ab zwei Jahren bis zum Kindergarteneintritt gedacht. Die Spielgruppe habe einen professionellen Auftritt im Web und sei auf der städtischen Internetseite aufgeführt.

Die Eltern der Zwillinge leben demnach erst seit kurzem in Lenzburg und arbeiten in Zürich und Basel. Die Zwillinge werden bislang tagsüber von einer Angestellten betreut.

Ob Rafael und Rahul jemals in die Spielgruppe gehen können, steht nun in den Sternen. Denn nach den schlechten Erfahrungen überlegen sich die beiden Männer laut «Lenzburger Bezirks-Anzeiger», ob sie nochmals einen Anlauf nehmen oder einfach warten sollen, bis die Kleinen in den Kindergarten kommen.

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