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So will die Schweiz Attentäter schneller stoppen

Die Schweizer erachten den Terrorismus laut einer Studie nicht als unmittelbare Bedrohung. Der Fall Norwegen könnte dies aber ändern. Die Polizeikommandanten haben bereits reagiert.

Der Vorfall in Norwegen dürfte laut einer Expertin der ETH das Sicherheitsbefinden in der Schweiz beeinflussen: Trauernde in Oslo. (Video: Keystone)

90 Prozent der Schweizer fühlen sich sicher. Dies hat eine Studie der Militärakademie an der ETH Zürich ergeben, die noch vor den Anschlägen publiziert wurde. Der Terrorismus wurde von den Schweizern bislang nicht als unmittelbare Bedrohung angesehen. Die Ängste seien stärker im Bereich der Kriminalität einzuordnen, erklärt Esther Bisig von der ETH und des Centers für Security Studies im Videointerview mit Keystone.

Ob Norwegen das Sicherheitsempfinden der Schweizer beeinflusst, wird sich nach der neuen Studie der ETH im Januar weisen. Gewöhnlich würden sich Schockerlebnisse in Umfragen niederschlagen, meint Bisig. «Die Ereignisse könnte bis dann aber auch wieder in Vergessenheit geraten.»

Ausschlaggebend war Winnenden

Unabhängig von den Ereignissen in Norwegen setzen die Polizeikommandanten aus Bern, der Romandie und dem Tessin auf ein neues Konzept gegen Amokläufe. Unter anderem sollen die Polizisten den Schützen am Tatort schneller stoppen können.

Die neue Strategie wurde Anfang Juli von den Kommandanten der beteiligten Kantone gutgeheissen. Sie wird nun den Justiz- und Polizeidirektoren der lateinischen Schweiz unterbreitet. Dies dürfte im Herbst der Fall sein, wie Pierre Schuwey auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte. Der Freiburger Polizeikommandant bestätigte damit einen Bericht der Westschweizer Tageszeitung «Le Temps».

Schuwey ist verantwortlich für einen Bericht namens «Amok». Dieser fasst die Ergebnisse von Überlegungen zusammen, die seit 2009 angestellt wurden und sich hauptsächlich mit Amokläufen an Schulen beschäftigen. Sie stützen sich nicht zuletzt auf den Amoklauf von Winnenden (D), bei dem im März 2009 ein 17-Jähriger 16 Menschen tötete.

Den Täter sofort stoppen

Der Bericht kommt zu folgendem Schluss: Im Falle eines Amoklaufs bleibt den Polizeien bisher nicht viel anderes übrig, als auf die Standardabläufe für Krisensituationen zurückzugreifen. Viel Zeit gehe beispielsweise dadurch verloren, dass zuerst der Tatort gesichert werden müsse, bevor die Einsatzkräfte eingreifen können.

Laut Pierre Schuwey wäre es im Falle von Amokläufen aber wichtig, sofort zu handeln. Die Polizisten müssten den Schützen umgehend stoppen können, sobald sie vor Ort eintreffen.

Aus diesem Grund sollen die Sondereinheiten der kantonalen Korps auch nicht mehr länger die Einzigen sein, die im Ernstfall eingreifen können. Damit auch normale Polizisten richtig handeln, wenn sie zuerst am Tatort eintreffen, fassen die Kommandanten eine Zusatzausbildung ins Auge.

Ebenfalls einiges verbessert werden könnte laut Bericht auf der Notrufzentrale. «Oft brauchen die Sicherheitskräfte viel Zeit, um zu begreifen, dass sie es mit einem Amoklauf zu tun haben», sagte Schuwey. Auch hier müssten Ausbildung und Sensibilisierung verbessert werden. «Man muss die richtigen Fragen stellen, um die Situation sofort zu erfassen.»

Kleinräumige Schweiz – ein Vorteil

Im Vergleich zu Norwegen sei die Kleinräumigkeit der Schweiz im Falle eines Blutbads ein Vorteil, sagte Vladimir Novotny, Generalsekretär der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten. Dies dürfte dazu beitragen, dem Amoklauf relativ schnell ein Ende zu setzen.

Laut Pierre Schuwey gibt es in der Schweiz dank der kantonalen Aufteilung etwa alle 50 Kilometer eine Sondereinheit. Beim Bund kümmert sich der Nachrichtendienst (NDB) um die Erkennung von Personen, die zu einer solchen Tat schreiten könnten. Wie NDB-Sprecher Felix Endrich auf Anfrage sagte, übermittelt der Dienst dem Bundesrat jährlich eine Liste observierter Personen und Organisationen. Sie ist freilich nicht öffentlich.

Die Informationen zu den Observierten stammen von den kantonalen Polizeien, aber auch von ausländischen Nachrichtendiensten. Auch das Internet wird durchforstet – «im Rahmen unserer Möglichkeiten», wie Sprecher Endrich sagte.

SDA/jak/miw

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