«So stelle ich mir Integration nicht vor»

Zwei muslimische Schüler an der Sekundarschule Therwil BL dürfen ihrer Lehrerin den Händedruck verweigern. Für Justizministerin Simonetta Sommaruga geht das zu weit.

«Dass ein  Kind der Lehrperson die Hand nicht gibt, das geht nicht»: Bundesrätin Simonetta Sommaruga im Interview mit dem SRF.

«Dass ein Kind der Lehrperson die Hand nicht gibt, das geht nicht»: Bundesrätin Simonetta Sommaruga im Interview mit dem SRF. Bild: Screenshot

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Umstrittene Regeln an der Sekundarschule im basellandschaftlichen Therwil: Aus religiösen Gründen wollen zwei muslimische Schüler ihrer Lehrerin nicht mehr die Hand geben. Die Schulleitung hat sich damit einverstanden erklärt. Justizministerin Simonetta Sommaruga findet in der Sendung «10vor10» vom Montagabend klare Worte.

«Dass ein Kind der Lehrperson die Hand nicht gibt, das geht nicht», findet Justizministerin Simonetta Sommaruga. Der Handschlag sei Teil unserer Kultur und gehöre zum Alltag in der Schweiz. «So stelle ich mir Integration nicht vor, auch unter dem Titel Religionsfreiheit kann man das nicht akzeptieren», sagt sie zu «10vor10».

Und weiter: «Es gibt immer wieder schwierige Fragen im Zusammenleben zu lösen. In diesem Fall scheint es absolut klar zu sein: Das geht nicht. Das geht zu weit.»

«Keine dauerhafte Lösung»

Der Handschlag-Dispens löste eine grosse Debatte in den Medien aus. Die Therwiler Schulleitung habe «vorerst einen pragmatischen Weg» im Sinne eines reibungslosen Schulbetriebs gewählt, lässt sich die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind zitieren. Es handle sich jedoch für sie «nicht um eine dauerhafte Lösung». Grundsätzlich würden für alle Schülerinnen und Schüler die gleichen Regeln gelten.

Gschwind betonte, sie wolle an gleichen Umgangsformen und Verhaltensregeln gegenüber Frauen wie Männern «konsequent festhalten». Sanktionen zur Durchsetzung von Regeln seien sorgfältig zu prüfen. Ein Gutachten sei in Arbeit, ebenso ein Grundlagenpapier zuhanden aller Schulen des Kantons.

Die Fragestellung sei «erstmalig aufgetreten», hiess es am Montag auf Anfrage bei der Baselbieter Bildungsdirektion. Der Kanton Baselland habe deshalb noch keine offiziellen Empfehlungen zum Thema Händeschütteln an der Schule.

Handschlag für Muslim-Dachorganisation zulässig

Publik wurde die Therwiler Abmachung in der Folge der SRF-Sendung «Arena» vom Freitagabend und einiger Medienberichte danach. Der Präsident der Erziehungsdirektorenkonferenz, Christoph Eymann aus Basel-Stadt, pochte in der SRF-Tagesschau vom Sonntagabend auf klare Regeln für alle an der Schule; religiöse Ausnahmen erschwerten die Integration.

Die Föderation Islamischer Dachorganisationen der Schweiz (FIDS) liess am Montag ihrerseits verlauten, dass ein Händedruck zwischen Mann und Frau «theologisch erlaubt ist» für eine einfache Begrüssung. In der islamischen Tradition sei Höflichkeit gegenüber allen wichtig, und zur Begrüssung gebe es unterschiedliche Bräuche.

Gemäss Communiqué betrachtet die FIDS den Händedruck zwischen Lehrpersonen und Schülern als «unproblematisch», wenn er helfe, eine gute Beziehung zu schaffen mit dem Ziel guter Bildung und wirksamer Integration. In den wenigen Fällen, wo der Händedruck verweigert werde, sei ein konstruktiver Dialog zielführend.

Islamischer Zentralrat unterstützt Händedruck-Dispens

Dagegen stellt sich der eine kleine Minderheit der Muslime in der Schweiz repräsentierende Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) aufgrund eines eigenen islamischen Rechtsgutachtens auf den Standpunkt, ein Händedruck zwischen Mann und Frau sei klar verboten.

Das Motiv des Berührungsverbots liege nicht in der Diskriminierung des weiblichen Geschlechts, sondern diene «dem Schutz der körperlichen Integrität von Mann und Frau». (pat)

Erstellt: 04.04.2016, 17:01 Uhr

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