Sie macht die Impfgegner wütend

Die 41-jährige Nathalie Rehak führt eine Kinderkrippe mit Impfpflicht – und will damit in die ganze Schweiz expandieren.

Verbindet in ihren Kinderkrippen wertvolle Pädagogik mit klugen Geschäftsmodellen: Die Ökonomin Nathalie Rehak.

Verbindet in ihren Kinderkrippen wertvolle Pädagogik mit klugen Geschäftsmodellen: Die Ökonomin Nathalie Rehak.

Christian Zürcher@suertscher

Kinder, Krippe und Impfen – das ist für gewisse Menschen eine teuflische Kombination. Das hat gerade auch Nathalie Rehak erfahren, denn sie vermengt diese drei Schlagwörter beruflich. Wer seine Kinder bei ihr in die Krippe schickt, muss sie «im Minimum» gegen Masern und Keuchhusten impfen. So steht es im Krippenhandbuch neben Sätzen wie: «Moral und Ethik sind zentrale Elemente unserer Philosophie.»

Am Wochenende schrieb die «SonntagsZeitung» über diese Impfpflicht. Die Reaktionen haben Geschäftsleiterin Rehak überrascht. Manche nennen ihr besonderes Aufnahmekriterium eine smarte Geschäftsidee – andere fundamentalistisch. «Weder noch», sagt die 41-Jährige, «ich vertrete den gesunden Menschenverstand.» Die Österreicherin führt seit 2015 in der Schweiz eine Kinderkrippenkette: die Bubble Bees, Bienchen in der Seifenblase. Die einzige Kita der Schweiz, die laut dem Verband für Kinderbetreuung eine Impfpflicht fordert. Wer also sein Kind bei Bubble Bees abgibt, muss erst einmal einen Impfausweis mitbringen. «Wir wollen nicht revolutionär sein. Wir folgen lediglich den Empfehlungen des Bundes», sagt Rehak. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt, dass Kinder ab 2 Monaten gegen Keuchhusten und ab 9 Monaten gegen Masern geimpft werden. Ab 12 Monaten beginnt bei Rehak die Impfpflicht, die sie als pragmatisch versteht – Babys müssen geschützt werden. Wer das nicht will, dem empfiehlt sie eine andere Krippe.

Das eigene Bedürfnis zum Geschäft gemacht

Impfen polarisiert, dieses Jahr besonders. Das Thema bekam wieder einmal so richtig Temperatur. 2019 registrierte das BAG 200 Masern-Fälle. Viermal so viele wie im Vorjahr. Und nun steht Rehak zwischen Befürwortern und Gegnern. Dabei will sie bloss für die Kinder sorgen. Als Teenager hat sie Kindergeburtstage organisiert, später als Kinderanimatorin in der Türkei und in Griechenland ­gearbeitet, als Stewardess sich im Flieger gerne um die Kleinen gekümmert. Sie studierte Wirtschaft, arbeitete in der Beratung und der IT, zog in die Schweiz und wurde sesshaft. Die Liebe.

Viele Kinder habe sie sich gewünscht, gelandet sei sie in einem «interkulturellen Patchworksalat», schrieb sie in einem Blog des Magazins «Ladies Drive». Als sie mit ihrem Partner selbst Kinder bekam, suchte sie eine passende Krippe. Rehak recherchierte und verglich, fand eine und merkte, dass 40 Prozent aller Kinderkrippen Defizite machen. Sie sind pädagogisch wertvoll, überleben aber nicht. «Wirtschaftlichkeit und gute Pädagogik» müssten doch vereinbar sein, dachte sie. Wenn das jemand könne, dann sie als Ökonomin und Mutter.

Rehak startete mit einer Krippe, nun führt sie acht mit 75 Mitarbeitern, verteilt auf Zürich, Baden, Frauenfeld, Schaffhausen. «Wir denken gross», sagt Rehak, «wir haben Visionen und wollen wachsen.» Auf ihrer Website sucht sie Investoren und verkaufs­willige Kita-Betreiber. Acht weitere Krippen sind geplant, wie alle anderen zweisprachig geführt. Deutsch und englisch. Bubble Bees are expanding.

Ihr Partner hilft Rehak dabei, er war einst Pressesprecher und setzte sich für den Kampfjet Gripen ein, den das Volk 2014 an der Urne ablehnte. Ein Slogan der Gegner lautete damals: «Krippen statt Gripen».

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