Es war keine Absicht der Mutter

Cheyenne starb an Überhitzung im Auto ihrer Mutter. Die Tessiner Staatsanwaltschaft geht von fahrlässiger, aber nicht absichtlicher Tötung aus.

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Die Mutter des am Dienstag in Muzzano TI im Auto gestorbenen fünfjährigen Mädchens hat nicht absichtlich gehandelt. Zu diesem Schluss kommt die Tessiner Staatsanwaltschaft nach einer Befragung. Eine Freiheitsstrafe droht der Mutter der toten Cheyenne nach aktuellem Kenntnisstand nicht.

Der Vorwurf der Behörden lautet deshalb auf fahrlässige Tötung in Folge einer Nachlässigkeit. Aktuell müssten noch alle medizinischen und rechtlichen Untersuchungen abgeschlossen werden, um den Vorfall klar rekonstruieren zu können, teilte die Staatsanwaltschaft heute Abend mit. Den Autopsiebericht habe sie noch nicht erhalten. Sicher sei nur, dass das Kind an der Überhitzung im Wagen starb. Medien hatten zuvor berichtet, dass die Frau aus dem Thurgau ihre fünfjährige Tochter nach einem Ausflug alleine im Fahrzeug schlafen liess.

Tragische Szenen

Zuvor hat das pathologische Institut in Locarno erste Resultate veröffentlicht. Die Untersuchung habe gezeigt, dass das Mädchen an Überhitzung gestorben sei – wahrscheinlich im Schlaf, meldet «ticinonews». Der Bericht des Arztes wurde an die Staatsanwältin Fiorenza Bergomi übergeben.

Die Mutter und die drei Schwestern (15, 13 und 9) waren als Erste bei der fünfjährigen Cheyenne, die am Dienstag auf einem Campingplatz im Tessin ums Leben kam. Gegen 20 Uhr abends rannten die drei Schwestern zur Mutter. Sie hatten die fünfjährige Cheyenne im Auto auf dem Parkplatz entdeckt, schreibt der «Blick».

Polizei und Ambulanz schnell vor Ort

Nachbarn auf dem Campingplatz erzählen, die Mutter sei sofort losgerannt. Sie folgten ihr und sahen, dass das Mädchen regungslos auf dem Boden lag. «Die Mutter versuchte, sie zu reanimieren. Die Schwestern standen daneben, haben um Hilfe geschrien und geweint», erzählt ein Ehepaar dem «Blick».

Es dauerte demnach nur wenige Minuten, bis die Polizei und die Ambulanz vor Ort waren. Kurz darauf habe jemand gesagt, das Mädchen sei tot, so die Campingnachbarn. Die Mutter und die älteste Tochter (15) seien zusammengebrochen und ins Spital gebracht worden.

Angehörige und Helfer unter Schock

«Es war eine Tragödie», sagte die Notfallpsychologin Nadine Maetzler, die kurz nach dem Vorfall bereits in Muzzano vor Ort war. Die Personen stünden unter Schock. Trauer, Angst, Scham und Schuld seien in der akuten Phase die vorherrschenden Gefühle der Beteiligten. Auch die Helfer stehen unter einem enormen Druck. Gerade weil Kinder beteiligt seien, sei es eine «schlimme Situation», sagte Maetzler.

Das Tessiner Fernsehen RSI schreibt auf seiner Homepage, die Familie habe einen Ausflug unternommen. Die Mutter liess die Tochter danach im Auto schlafen und vergass sie. Drei Stunden habe Cheyenne in der Hitze im Auto gelegen. Die Familie war seit fünf Tagen im Tessin in den Ferien. Gäste des Campings erzählten, Cheyenne sei «trotz der Hitze voll bekleidet gewesen», so der «Blick».

jj/fal/sda

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