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Schweizer verdienen gut

Selbst unter Einbezug der hohen Lebenskosten in der Schweiz: Die Einkommen hierzulande gehören weltweit zu den höchsten – besonders im Mittelstand.

Fabian Schäfer

Die Klagelieder über die Schweiz als Hochpreisinsel und den Niedergang des Mittelstands zählen zum Standardrepertoire der Politik. Mit der Realität haben diese Lieder aber vielleicht gar nicht so viel zu tun. Jedenfalls sind die Einkommen des Mittelstands im internationalen Vergleich beneidenswert hoch, auch wenn man die enorm hohen Lebenshaltungskosten berücksichtigt.

Eurostat, die Statistikbehörde der EU, führt detailliert Buch über die Einkommen in den Ländern Europas. Die Schweiz nimmt auch an diesen Erhebungen teil, für sie sind ab 2007 Zahlen verfügbar. Der grosse Vorteil: Eurostat veröffentlicht die Einkommen auch «kaufkraftbereinigt». Somit werden sie direkt vergleichbar, indem nicht ihre Höhe in Euro verglichen wird, sondern die Kaufkraft, die mit ihnen verbunden ist. Es versteht sich ja von selbst, dass 1000 Euro in der Schweiz weniger wert sind als in Griechenland. Platz 3 für die Schweiz

Die frohe Botschaft: Auch so sind die mittleren Einkommen in der Schweiz die dritthöchsten in Europa. Dabei werden die sogenannten Medianeinkommen verglichen. Die eine Hälfte der Einkommen liegt über diesem Wert, die andere darunter. Noch höher als hierzulande sind sie nur im Kleinstaat Luxemburg, der eine halbe Million Einwohner zählt, sowie in Norwegen, das seinen Reichtum primär dem Erdöl vor seinen Küsten zu verdanken hat.

Die Schweiz liegt in diesem Vergleich auch vor ihren Nachbarländern und hat diesen Vorsprung seit 2007 sogar noch ausgebaut. Heute übertrifft das Schweizer Medianeinkommen beispielsweise den Mittelwert von Deutschland um 30 Prozent. Simpel übersetzt: Absolut mittelmässige Lohnempfänger können sich in der Schweiz 30 Prozent mehr leisten als jene in Deutschland.

Neben Eurostat erhebt ebenfalls die OECD, die Vereinigung der Industrienationen, ähnliche Lohnvergleiche. Hier steht die Schweiz auch bei Berücksichtigung des sehr hohen Preisniveaus ebenfalls auf Platz 3 weltweit. Gemäss den OECD-Statistiken ist die Schweiz bei den mittelständischen Einkommen ausgesprochen gut positioniert. Beim Vergleich von höheren und tieferen Einkommen schneidet sie zwar auch bei der OECD gut ab, aber weniger formidabel als in der Mitte. So viel zum darbenden Schweizer Mittelstand.

Schere kleiner als anderswo

Die Vitalität der hiesigen Mittelschicht lässt sich noch mit einer zweiten Statistik illustrieren, die – Eurostat und OECD sei Dank – ebenfalls international vergleichbar vorliegt. Gemäss beiden Datenbanken sind die Schweizer Einkommen weniger ungleich verteilt als jene im Durchschnitt der EU respektive der industrialisierten Welt.

Das zeigt zum Beispiel der Vergleich der Verdienste an beiden Enden des Spektrums: In der Schweiz sind die Einkommen des «obersten» Fünftels der Bevölkerung 4,4-mal so gross wie die Einkommen des «untersten» Fünftels. Damit ist die Lohnschere etwa gleich weit geöffnet wie in Deutschland, Österreich und Frankreich. Im EU-Durchschnitt nehmen die Spitzenverdiener etwa 5-mal so viel ein wie die Geringverdiener. Noch steiler ist das Lohngefälle in Ländern wie Spanien (Faktor 7,2), Griechenland (6,6), Italien (5,5) oder Grossbritannien (5,4).

Was heisst das für die Schweiz? Klagen kann man immer. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass man weiss, wie viel man zu verlieren hat. Doch sogar wenn sich die Situation verschlechtern sollte, kann sie immer noch gut sein. Fabian SchäferGood News – In einer kleinen Serie veröffentlichen wir über die Feiertage ausnahmsweise einmal nur positive Meldungen. Denn nicht nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten – auch wenn man das bei der Zeitungslektüre vielleicht manchmal denken könnte.

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