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Schweizer Gesundheitswesen: Ohne Ausländer läuft nichts

Die Schweiz bildet nicht genug Gesundheitspersonal aus und verlässt sich auf die Einwanderung von Fachkräften. Dies kann zu problematischen Engpässen führen.

Braucht Verstärkung: Eine Studentin der Höheren Fachschule Pflege.
Braucht Verstärkung: Eine Studentin der Höheren Fachschule Pflege.
Keystone

Indem das Gesundheitswesen Fachkräfte aus dem Ausland beschäftigt, kann es kurzfristig Personalengpässe beheben. Längerfristig entstehe aber eine problematische Abhängigkeit, warnt das Gesundheitsobervatorium (Obsan). Der Bestand an Gesundheitsfachkräften in Schweizer Spitälern, Alters- und Pflegeheimen wuchs von 2002 bis 2008 von 104'000 auf knapp 119'000.

Der Anteil der ausländischen Fachkräfte stieg im gleichen Zeitraum von 33 auf 36 Prozent, wie aus dem Obsan-Bericht über ausländisches Gesundheitspersonal in der Schweiz hervorgeht. Er wurde am Donnerstag vom Bundesamt für Statistik veröffentlicht. Laut diesem Bericht kommen je nach Jahr auf zehn in der Schweiz ausgebildete Ärztinnen und Ärzte jeweils vier bis vierzehn im Ausland ausgebildete Ärztinnen und Ärzte ins Land. Pro zehn im Inland ausgebildete höhere Pflegefachkräfte wandern zwischen zwei und über neun Pflegefachkräfte mit ausländischem Diplom ein.

Das Schweizer Gesundheitssystem sei also stark von der Rekrutierung im Ausland abhängig. Dieser Trend verschärfe sich tendenziell. Die Ausweitung des Gesundheitsfachpersonal-Bestandes in den Spitälern 2007 und 2008 konnte laut dem Bericht nur dank der Zuwanderung von ausländischem Personal erfolgen.

Problematische Abhängigkeit

Die Abhängigkeit von der Ausländer-Rekrutierung mache die Schweiz verwundbar, warnt der Bericht. Gelingt es den Nachbarländern, die Attraktivität ihrer Gesundheitssysteme zu verbessern, könnte das in der Schweiz den Mangel an Gesundheitspersonal verschärfen. Die ausländischen Fachkräfte kommen vorwiegend aus den Nachbarländern, hauptsächlich aus Deutschland. Indem diese Länder wiederum ihr Gesundheitspersonal in ärmeren Ländern rekrutieren, trage auch die Schweiz indirekt zur Abwanderung von Hochqualifizierten aus den ärmsten Ländern bei.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will diesem Abwanderungs-Trend Einhalt gebieten. Im vergangenen Mai hat sie in einem Leitfaden Staaten und Arbeitgeber aufgefordert, fortan nicht mehr aktiv in armen Ländern medizinisches Personal zu rekrutieren. Ausländisches Personal sollte zudem die gleichen Rechte und Pflichten haben wie Einheimische. Auch die Schweiz hat diesem Kodex zugestimmt, der allerdings nicht bindend ist.

SDA/jak

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