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Schweiz will auch politisch enger mit Südkorea zusammenarbeiten

Ihr Vater wurde vom Geheimdienstchef erschossen, nun leitet sie selber die Geschicke Südkoreas: Die südkoreanische Präsidentin Park Geun-hye wurde heute von Aussenminister Burkhalter in Bern empfangen.

Die Zusammenarbeit soll wirtschaftlich und politisch vertieft werden: Aussenminister Burkhalter schüttelt der südkoreanischen Präsidentin Park Geun-hye während einer Pressekonferenz die Hand. (20. Januar 2014)
Die Zusammenarbeit soll wirtschaftlich und politisch vertieft werden: Aussenminister Burkhalter schüttelt der südkoreanischen Präsidentin Park Geun-hye während einer Pressekonferenz die Hand. (20. Januar 2014)
Keystone
Freuen sich über den prominenten Besuch aus dem Heimatland: In der Schweiz lebende Südkoreaner erwarten die Präsidentin auf dem Bundesplatz. (20. Januar 2014)
Freuen sich über den prominenten Besuch aus dem Heimatland: In der Schweiz lebende Südkoreaner erwarten die Präsidentin auf dem Bundesplatz. (20. Januar 2014)
Keystone
Applaus für Südkoreas Präsidentin: Park nach der Vorstellung.
Applaus für Südkoreas Präsidentin: Park nach der Vorstellung.
Lukas Lehmann, Keystone
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Das innovativste Land Europas trifft das innovativste Land Asiens – mit diesen Worten begrüsste Bundespräsident Didier Burkhalter heute in Bern die südkoreanische Präsidentin Park Geun-Hye zum Staatsbesuch. Der Gast teilte Burkhalters Einschätzung.

Die Schweiz und Südkorea unterzeichneten mehrere Dokumente, die die bilaterale Kooperation in den Bereichen Sozialversicherung, Wirtschaft, Gesundheit und Forschung vertiefen. Die beiden Länder wollen aber auch ihre politische Zusammenarbeit verstärken. Dazu institutionalisieren sie den politischen Dialog.

Die Intensivierung der Kontakte mit Südkorea sei Teil der schweizerischen Asienpolitik, die einen Ausbau der bilateralen Beziehungen mit den Staaten der Region, den Ausbau der Präsenz in regionalen Foren sowie eine Politik der Solidarität mit den Ländern Asiens vorsehe, sagte Burkhalter. Das Land sei schon jetzt einer der wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Partner der Schweiz in Asien.

Umfassende Gespräche

An den offiziellen, von den beiden Präsidenten geleiteten Gesprächen im Bernerhof, dem Sitz des Finanzdepartements, nahmen auch Bundesrätin Doris Leuthard, Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek), Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF), und Bundesrat Alain Berset, Vorsteher des Eidgenössischen Departementes des Innern (EDI), teil.

Zuvor war die südkoreanische Präsidentin Park auf dem Bundesplatz mit militärischen Ehren vom Gesamtbundesrat empfangen worden. Mit dabei war auch die Schweizer First Lady Friedrun Burkhalter.

Innovation und Tradition

Innovation und Tradition verbinden die Schweiz und Südkorea, beides Länder mit äusserst dynamischen und wettbewerbsfähigen Volkswirtschaften, wie Burkhalter in seiner Begrüssungsrede in der Wandelhalle des Bundeshauses sagte. Der wirtschaftliche Austausch mit Südkorea – dem sechstwichtigsten Handelspartner der Schweiz in Asien – sei noch längst nicht ausgeschöpft.

Mit dem Freihandelsvertrag von 2006 hatte sich der Warenhandel zwischen den beiden Ländern noch einmal intensiviert. Im Jahr 2012 zum Beispiel wuchsen die Exporte von Schweizer Erzeugnissen wie Maschinen, Pharmaprodukten oder Uhren nach Südkorea um 3,8 Prozent.

Park lobt kreative Schweiz

Die südkoreanische Präsidentin Park wies in ihrer Rede auf die hohe Zahl von Schweizer Nobelpreisträgern hin – als Beweis für die Kreativität ihres Gastlandes. Ihr Besuch werde den Austausch weiter intensivieren, gab sie sich überzeugt. Ausdrücklich erwähnte sie Forschung und Wissenschaft, die Pharma-Industrie und den Tourismus. Das duale Bildungssystem in der Schweiz bezeichnete sie als Vorbild.

Park dankte der Schweiz schliesslich für ihren Anteil an der Sicherung des Friedens an der innerkoreanischen Grenze – vor Provokationen aus Nordkorea, wie sie es formulierte.

Die südkoreanische Präsidentin war schon zwei Tage vor dem eigentlichen Staatsbesuch in die Schweiz gereist. Am Sonntag traf sie Koreaner, die in der Schweiz leben – unter anderem an einer traditionellen koreanischen Tanzvorführung im Zentrum Paul Klee in Bern.

Bewunderin des Schweizer Bildungssystems

Morgen will sich Präsidentin Park über das duale Bildungssystem der Schweiz, das sie für vorbildlich hält, informieren: Zusammen mit Bundespräsident Burkhalter wird sie die Gewerblich-Industrielle Berufsschule Bern (gibb) besuchen.

Es ist der erste Staatsbesuch eines südkoreanischen Staatsoberhauptes seit der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen 1963. Damals regierte Park Geun-Hyes Vater Park Chung-hee das Land.

Die Schweiz ist seit 60 Jahren als aktives Mitglied in der Überwachungskommission der Neutralen Nationen an der innerkoreanischen Grenze – zwischen Süd- und Nordkorea – in Panmunjom präsent.

Tochter von Militärdiktator

Die 61-jährige Park Geun-hye ist die älteste Tochter des früheren Militärdiktators. Seit dem 25. Februar 2013 ist sie Präsidentin der Republik Südkorea. Die unverheiratet und kinderlos gebliebene Park gilt als distanziert und weniger charismatisch als ihr Vater, aber klug und prinzipienstreng. Einer ihrer Beinamen lautet auch «Prinzessin der Merkbücher», da sie ihre Antworten häufig auf vorbereiteten Zetteln sucht und Reden abliest.

Nach dem Tod ihrer Mutter 1974 – sie kam bei einem Attentat eines nordkoreanischen Terroristen ums Leben – übernahm sie 22-jährig die Rolle der First Lady. Damals sah sich die junge Frau zu Repräsentationsaufgaben verpflichtet. «Ich versuchte von ganzem Herzen, meine Pflichten zu erfüllen, als die Augen der Koreaner auf mich gerichtet waren», sagt sie von sich.

Viele Jahre aus Öffentlichkeit verschwunden

1979 folgte die zweite Tragödie, als ihr Vater von seinem Geheimdienstchef erschossen wurde. Sein Tod war ein grosser Schock für die Tochter. Sie verschwand viele Jahre von der Bildfläche.

Park wird vorgeworfen, sich von ihrem Vater nie wirklich distanziert zu haben, auch wenn sie sich für Menschenrechtsverletzungen während dessen Herrschaft entschuldigt hatte. Vor ihrer Wahl zur Präsidentin sagte sie noch, der Militärputsch ihres Vaters 1961 sei damals die «bestmögliche Wahl» gewesen.

Besuch im Zentrum Paul Klee

Die südkoreanische Präsidentin reiste bereits zwei Tage vor dem Staatsbesuch in die Schweiz. Am Sonntag traf sie Koreaner, die in der Schweiz leben – unter anderem an einer traditionellen koreanischen Tanzvorführung im Zentrum Paul Klee in Bern.

Es ist der erste Staatsbesuch eines südkoreanischen Staatsoberhauptes seit der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen 1963. Damals regierte Park Geun-hyes Vater Park Chung-hee das Land.

Die Schweiz und Südkorea feierten das 50-jährige Jubiläum der diplomatischen Beziehungen von Sommer 2012 bis Sommer 2013. Im Jahr 2013 feierte die Schweiz ein weiteres Jubiläum in Korea: Sie ist seit 60 Jahren als aktives Mitglied in der Überwachungskommission der Neutralen Nationen an der innerkoreanischen Grenze in Panmunjom präsent.

Insbesondere in der Wissenschaft und Forschung pflegen die beiden Länder enge Beziehungen: Ein spezielles Programm bewirbt seit 2008 den Forschungsstandort Schweiz in Korea und unterstützt 30 wissenschaftliche Projekte, heisst es in einer Mitteilung des EDA.

Ebenso sei das Land einer der wichtigsten Wirtschaftspartner der Schweiz in Asien. 2012 wuchsen die Exporte von Schweizer Produkten wie Maschinen, Pharmaprodukten oder Uhren nach Südkorea um 3,8 Prozent.

Parks Rücktritt gefordert

Die südkoreanische Präsidentin ist in ihrem Land nicht unumstritten. Im Dezember demonstrierten Zehntausende Südkoreaner in der Hauptstadt Seoul und forderten den Rücktritt von Park. Der Protest stand unter anderem im Zusammenhang mit einem Gerichtsverfahren gegen den Oppositionspolitiker Lee Seok-ki. Dessen linksgerichtete Progressive Einheitspartei (UPP) kritisierte das Verfahren als Missbrauch politischer Macht.

SDA/mw

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