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«Schützen und Sammler sind sehr wohl betroffen»

Drei ehemalige Offiziere werben vor den Medien für ein Ja zur Waffeninitiative. Und sie provozieren damit eine lebhafte Debatte.

Keine «objektive und nachvollziehbare Begründung» für ein Nein: Plakat gegen die Waffeninitiative, aufgenommen in Bern.
Keine «objektive und nachvollziehbare Begründung» für ein Nein: Plakat gegen die Waffeninitiative, aufgenommen in Bern.
Keystone

Die Botschaft der ehemaligen Offiziere war sehr emotional. Er habe viele Suizidfälle erlebt, sagte der ehemalige Offizier und Seelsorger Ebo Aebischer gegenüber Redaktion Tamedia. «Die Angehörigen zu betreuen, ist das eine, etwas gegen den Missstand zu tun, sei das andere.» Jede Suizidprävention sei in der Schweiz bisher gescheitert, erstmals sehe er die Chance, in diesem Bereich etwas zu bewegen, so Aebischer.

Zusammen mit dem früheren Oberstleutnant Jean-Marc Guinchard und Hauptmann Urs W. Honegger trat Aebischer gestern in Bern vor die Medien, um für ein Ja zur Waffeninitiative zu werben. Er sei für die Armee, sagte Honegger. Doch er habe im bisherigen Abstimmungskampf noch «keine objektive und nachvollziehbare Begründung» für ein Nein zur Initiative gehört.

«Nicht mehr als einen zerknitterten Lampion»

Diesen Vorwurf mussten sich auch die Kritiker im Meinungsforum auf Redaktion Tamedia gefallen lassen. So wurde die Frage einer Leserin, wann den Initiativgegnern in den Medien derselben Platz eingeräumt werde wie den Befürwortern, so beantwortet: «Sobald sie an Argumenten mehr zu bieten haben als einen zerknitterten Lampion.»

Kritiker haben unter den Kommentatoren allgemein einen schweren Stand, ihre Äusserungen werden heftig und mit vereinten Kräften gekontert. So die Äusserung, bei Waffenabgabe müssten auch Gamelle und Tarnanzug als persönliche Gegenstände ausser Haus deponiert werden. Er sei wohl lange nicht mehr im Militär gewesen, kommt die Antwort, diese Dinge gehörten längst nicht mehr zur persönlichen Ausrüstung und er solle doch mal versuchen, mit einem Tarnanzug jemanden umzubringen. «Dann merken Sie, weshalb man diesen zu Hause behalten darf.»

«Verbotsmentalität» versus «alter Zopf»

Eine Kritikerin relativiert, es handle sich bloss um drei Offiziere, «die andern Führungskräfte unserer Armee sind gegen die Initiative». Sie habe wohl kaum eine Feldstudie unter Verantwortungsträgern der Armee durchgeführt, heisst es daraufhin, und mehrere Kommentatoren entgegnen, sie würden als ehemalige oder gegenwärtige Armee-Kader die Waffeninitiative befürworten.

Die beiden Lager bleiben in ihrer Argumentation weitgehend geschlossen. Während sich das eine an der ausufernden Verbotsmentalität und am mangelnden Vertrauen gegenüber vernünftigen Bürgern stört, bezeichnet das andere die Aufbewahrung der Waffe zu Hause als längst unnötig und das obligatorische Übungsschiessen als alten Zopf. Während das erste Lager der Ansicht ist, mit der Initiative werde kein einziger Suizid verhindert, erinnert die andere Seite an den tragischen Fall von Corinne Rey-Bellet.

Kontroverse um Schicksal von Corinne Rey-Bellet

Gerade das Schicksal der Skifahrerin, deren Ehemann sie und ihren Bruder 2006 mit einer Armeewaffe erschoss, sorgte für erneute Kontroversen. Wenn jemand mit dem Gewehr von der Ostschweiz ins Wallis fahre, wie das Rey-Bellets Mann getan hatte, um dort jemanden zu töten, könne man kaum von einer Affekthandlung ausgehen. Demnach hätte auch die Lagerung der Waffe im Zeughaus nichts genützt, heisst es. Dem wird entgegnet, dass der Täter, wenn er die Armeewaffe im Zeughaus gelagert hätte, kaum vor der Tat dorthin gefahren wäre, um sie abzuholen.

Auch die Hobby-Schützen wehren sich. «Die Ordonnanzwaffe abgeben, damit könnte ich gut leben», schreibt eine Leserin. «Aber warum müssen die Gesetze für Sammler und Schützen so repressiv sein?» Diese seien für niemanden eine Bedrohung. «Halten Sie für ihre Kollegen wirklich die Hand ins Feuer, dass nie eine Familientragödie passiert?», fragt ein Leser zurück. Ausserdem seien Schützen und Sammler von der Initiative nicht betroffen. «Schützen und Sammler sind sehr wohl betroffen!», erwidert ein weiterer Leser. Sämtliche Schiesssportarten ausserhalb des Schweizerischen Schiesssportverbands würden nämlich nach Annahme der Initiative verboten. Ein anderer Sportschütze schreibt: «Zu Ihrer Frage: Für die Kollegen, mit denen ich unterwegs bin, halte ich die Hand ins Feuer.»

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