Schnell eine Wurst für auf den Weg

Noch vor zwanzig Jahren waren Take-aways eine Randerscheinung. Die Schnellverpflegung wird seither stetig beliebter. Das bringt die traditionelle Gastronomie in Bedrängnis.

Take-aways boomen, aber der Gesamtmarkt schrumpft: Cervelat zum Mitnehmen am Zürcher Bürkliplatz. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Take-aways boomen, aber der Gesamtmarkt schrumpft: Cervelat zum Mitnehmen am Zürcher Bürkliplatz. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Michael Soukup@nachdenkend

Dass die Schnellverpflegung seit Jahren der herkömmlichen Marktanteile streitig macht, lässt sich tagtäglich über Mittag in den Schweizer Strassen überprüfen. Deshalb hat der Wirteverband Gastrosuisse vor Jahren die Volksinitiative «Schluss mit der Mehrwertsteuer-Diskriminierung des Gastgewerbes!» lanciert, am 28. September kommt es zur Abstimmung darüber. Ziel ist es, die unterschiedliche Besteuerung von Gastrobetrieben (8 Prozent Mehrwertsteuer) und Take-away-Betrieben (2,5 Prozent) anzugleichen.

Wie schnell die Schnellverpflegung Marktanteile gewinnt, ermittelt jedes Jahr der Branchenspiegel von Gastrosuisse – andere Studien sind nicht erhältlich. Letztes Jahr verpflegten sich 51 Prozent der Zürcher in der herkömmlichen Gastronomie, der Anteil der Fastfood- und Take-away-Betriebe betrug 17 Prozent. Mehr oder weniger ähnliche Anteile bei den Bezugsquellen finden sich im Aargau (51 Prozent bzw. 17 Prozent), Luzern (54 Prozent gegenüber 15 Prozent) oder Bern (51 Prozent und 16 Prozent). Eine heile Welt aus Sicht von Gastrosuisse herrscht noch in Uri, wo die Schnellverpflegung bloss 6 Prozent ausmacht. Ein Stadt-Land-Graben lässt sich aber nur bedingt feststellen. Denn Obwalden hatte mit 23 Prozent den höchsten Fast-food-Anteil aller Kantone.

Beliebte Ländergastronomie

Interessant sind die Veränderungen der letzten Jahre. Schweizweit hatte die Schnellverpflegungsgastronomie 2013 einen Anteil von 17,7 Prozent. 2011 waren es noch 15,5 Prozent. Verluste mussten die folgenden Bezugsquellen hinnehmen: herkömmliche Gastronomie (minus 2,4 Prozent), Betriebsverpflegung (minus 2,9 Prozent) und Vergnügungsgastronomie (minus 1,9 Prozent).

Ebenfalls im Trend liegt die sogenannte Ländergastronomie – also beispielsweise italienische, griechische oder chinesische Küche: Ihr Anteil wuchs von 14,1 Prozent im Jahre 2011 auf 18,1 Prozent letztes Jahr. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass überdurchschnittlich viele in der Schweiz lebenden Migrantenfamilien ihr Glück in der Gastronomie versuchen.

Trotz Take-away-Boom: Der Gesamtmarkt schrumpft. Die Ausgaben für Essen und Trinken ausser Haus betrugen 2011 total 24,245 Milliarden Franken, 2013 waren es noch 23,137 Milliarden. Damit liefern sich Gastrobetriebe einen harten Verdrängungskampf.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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