SBB wollen Swiss Pass anonymisieren

Bei den SBB gingen zahlreiche Kundenreklamationen ein, weil auf dem Swiss Pass jede Zugfahrt registriert wird. Nun soll die Karte anonymisiert werden.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Viele SBB-Kunden sind unzufrieden damit, dass auf ihrem Swiss Pass jedes gekaufte Billett gespeichert und die Zugfahrt aufgezeichnet wird. «Diese Sorge müssen wir ernst nehmen», sagt Jeannine Pilloud, oberste Vertreterin der ÖV-Branche und Chefin des SBB-Personenverkehrs, in einem Interview gegenüber dem «Tages-Anzeiger» und dem «Bund».

Die SBB wollen deshalb einen anonymisierten Swiss Pass einführen. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen: Zuerst müssen alle 244 ÖV-Anbieter entsprechende Voraussetzungen schaffen, was gemäss Branchenkennern bis zu drei Jahre dauern dürfte.

Konkret wollen die SBB an Haltestellen und Bahnhöfen Tablets aufstellen, auf denen ÖV-Reisende ihre Billette kaufen können. Anstatt diese auszudrucken, sollen diese aber eben auf einen anonymisierten Swiss Pass geladen werden können. Jede Karte hat gemäss Pilloud einen Chip, auf dem der Träger nicht unbedingt registriert sein muss: «In der Fahrausweiskontrolle würde der Zugbegleiter das elektronische Billett erkennen, das der Nutzer auf den anonymen Swiss Pass geladen hat», so Pilloud. Der anonymisierte Swiss Pass würde also sozusagen das Papier als Datenträger ersetzen. Das Projekt sei in der Branche «sehr konkret», ein Beschluss sei aber noch nicht gefasst.

Aktuell besitzen in der Schweiz ungefähr 2,3 Millionen Leute einen Swiss Pass. All diese Pässe sind mit einem persönlichen Abonnement (z.B. Halbtax oder GA) verknüpft. In Zukunft soll es auch möglich sein, digitale Einzelbillette auf die Karte zu laden. Somit wissen aber die ÖV-Anbieter stets, wohin ein spezifischer Kunde fährt. Darunter könnte die Privatsphäre leiden.

Einen noch stärkeren Einschnitt in die Privatsphäre von ÖV-Kunden stellen laut «Tages-Anzeiger» und «Bund» die neuen Billett-Apps Lezzgo und Fairtiq dar: Die auf dem Smartphone von Kunden installierte App zeichnet den mit dem ÖV zurückgelegten Weg auf und verrechnet anschliessend automatisch die günstigste Ticket-Option. Auch bei den SBB selber ist eine entsprechende App in Planung. Das Reisen mit dem öffentlichen Verkehr soll damit vereinfacht, gedruckte Billette längerfristig abgeschafft werden. (chh)

Erstellt: 12.10.2017, 09:29 Uhr

Artikel zum Thema

Konsumentenschützer wollen dem Swiss Pass an den Kragen

Eine automatische Verlängerung von ÖV-Abos – Das ist Teil des Swiss Pass, der seit seiner Ankündigung Kritik erntet. Die Konsumentenschützer drohen sogar mit einer Klage. Mehr...

Swiss Pass: Die Bergbahnen sehen rot

Bald startet die Skisaison. Doch vorläufig können Wintersportler nur für wenige Regionen ihr Skiabo online auf den Swiss Pass laden. Denn viele Bergbahnen finden, die Kommission für die SBB sei zu hoch. Mehr...

Der neue Swiss Pass ersetzt GA und Halbtax

General- und Halbtaxabonnements sind künftig rot statt blau. Die neue Karte enthält einen Chip, auf welchen zusätzliche Dienstleistungen geladen werden können. Mehr...

Kommentare

Service

Mitdiskutieren, teilen, gewinnen.

News für Ihre Timeline.

Die Welt in Bildern

Lachen für einen guten Zweck: Diese Frau nimmt, in Malta, an einer Parade für Clowns teil, die sich um kranke Kinder kümmern. (15. Oktober 2017)
(Bild: Darrin Zammit Lupi) Mehr...