Züge sollen auf dem Flugplatz haltmachen

Die Region würde von einem Bahnhof auf dem Flugplatz Interlaken stark profitieren, sind sich Vertreter der Regionalkonferenz und der hiesigen Transportunternehmen einig. Noch müssen aber Stellen beim Bund überzeugt werden.

Die Autobahnausfahrt Wilderswil. Links: der Flugplatz. Unten: Matten.

Die Autobahnausfahrt Wilderswil. Links: der Flugplatz. Unten: Matten.

(Bild: Bruno Petroni)

Samuel Günter@samuel_guenter

Der Fahrplanwechsel bringt einen deutlichen Ausbau des regionalen öffentlichen Verkehrs. Gestern informierten Vertreter der Regionalkonferenz Oberland-Ost und der beteiligten Transportunternehmen über die einzelnen Auswirkungen (siehe Kasten). «In den letzten Jahren ging es mehr um den Erhalt, heuer gibt es einen klaren Ausbau», meinte Ruedi Simmler, Stellvertretender Leiter Region Bern bei Postauto, zufrieden.

Im Zusammenhang mit dem Bahninfrastrukturprojekt Step 2030/2035 warteten aber neue Herausforderungen auf die Verantwortlichen, wie Branka Fluri, Präsidentin der Verkehrskommission der Regionalkonferenz, sagte. Man müsse sich einsetzen, dass Oberländer Anliegen aufgenommen würden: etwa der oft diskutierte integrale Halbstundentakt Bern–Interlaken, aber auch ein Bahnhof Flugplatz.

«Ein Schildbürgerstreich»

«Es wäre ein Schildbürgerstreich, diese Haltestelle nicht zu realisieren», meinte Stefan Würgler, Leiter Vertrieb und Produktion der Jungfraubahnen. Ein Grund dafür ist das Behindertengleichstellungsgesetz. Dieses schreibt vor, dass sämt­liche Bahnhöfe behindertengerecht saniert werden müssen. «In Wilderswil haben wir aber ein Platzproblem, wegen der beengten Verhältnisse können wir nur ein Perron genügend erhöhen.»

Entsprechend sollen die Züge nicht mehr im Bahnhof kreuzen, sondern auf dem Flugplatzgelände, bezahlt würde die Streckenanpassung vom Bund, welcher sich auch an den Kosten des Anschlusses des Areals ans Strassennetz beteilige. «Im Anbetracht dieser Ausgaben wäre es ineffizient, den Bahnhof für 3,7 Millionen Franken nicht zu realisieren», meinte Würgler.

Grosse Parkfläche möglich

Dieser würde der Region grosse Vorteile bringen. Etwa in Anbetracht des Parkplatzpotenzials. «Damit könnten die Lütschinentäler von Verkehr entlastet werden», sagt Würgler. «Mit dem Auto anreisende Schneesportler könnten hier parkieren und mit dem Zug weiterreisen.» Aber auch das Bödeli könnte profitieren. «Wenn weniger Reisebusse durchs Zentrum fahren ­müssen.»

«Es wäre ein Schildbürgerstreich, diese Haltestelle nicht zu realisieren»Stefan Würgler, Leiter Vertrieb und Produktion Jungfraubahnen

Noch nicht aufgenommen

Von der Realisierung ist man aber noch einiges entfernt. «Das Vorhaben wurde als zu unwichtig eingestuft und bei Step nicht berücksichtigt», erklärte Branka Fluri. «Wir müssen nun die Verantwortlichen auf politischem Weg umstimmen.» Dabei seien die Möglichkeiten der Regionalkonferenz – wie auch beim inte­gralen Halbstundentakt – beschränkt. «Unser Gebiet ist der Regionalverkehr», sagt Branka Fluri. «Wir können eigentlich immer nur sagen, wie wichtig diese Projekte sind. Und das tun wir auch, und wenn es einige wohl schon gar nicht mehr hören ­können.»

Immerhin habe man mit beiden Anliegen die Unterstützung des Kantons. «Der Regierungsrat wird voraussichtlich im Januar zu Step Stellung nehmen», sagte Branka Fluri. Dabei werde er sich auch für den Halbstundentakt und die Haltestelle Wilderswil aussprechen. «Schliesslich ist er mit der jetzigen Ausgestaltung des Ausbauprojekts nicht glücklich, weil der Ausbau der Lötschberg-Basistunnels weggelassen wurde.»

Frühere Umsetzung möglich

Falls die Haltestelle beim Flugplatz Einzug in das Step-Programm finde, müsse man mit der Realisierung nicht bis 2030 warten. «In dem Fall könnte er vorgezogen werden und im Rahmen der Anpassung der Streckenführung gebaut werden», erklärte Branka Fluri.

Ob die Haltestelle Flugplatz realisiert wird, liegt aber definitiv nicht mehr in ihren Händen. Branka Fluri gibt das Präsidium der Verkehrskommission ab. Am Ende der Medienkonferenz gab es von den Kollegen für die langjährige Zusammenarbeit einen Blumenstrauss.

Berner Oberländer

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