Russische Hacker greifen Labor Spiez an

Die VBS-Fachstelle für biochemische Waffen ist erneut ins Visier von Russland geraten. Das Labor ermittelt sowohl in der Skripal-Affäre als auch beim Einsatz von Giftgas in Syrien.

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Auf das Labor Spiez, die schweizerische Fachstelle zum Schutz vor ABC-Angriffen, ist eine Cyberattacke von russischen Hackern verübt worden. Dabei wurde ein Computer-Dokument zu einer vom Labor organisierten Experten-Konferenz für einen Hack verwendet, wie der «SonntagsBlick» schreibt. Zuvor hatte bereits das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» über den Angriff berichtet. Über Schäden wurde vorerst nichts bekannt.

Laut Angaben von Kurt Münger vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz kursierte Monate vor der Konferenz im September unter den Teilnehmern aus dem Bereich der chemischen und biologischen Gefahren ein Word-Dokument. Es enthielt angebliche Informationen zur Tagung. Tatsächlich war in dem Schreiben aber ein Schadprogramm installiert. Damit niemand Verdacht schöpfte, wurde das Dokument mit einer gefälschten E-Mail-Adresse im Namen des Labors Spiez versendet. «Jemand hat sich als Labor Spiez ausgegeben», so Münger zum «Sonntagsblick».

Der Bund informierte die Eingeladenen umgehend. Ob von den Forschern jemand das Dokument öffnete und damit den Hackern auf den Leim ging, dazu machte das Bundesamt keine Angaben. Das Labor Spiez habe selber keinen Abfluss von Daten registriert, erklärte Kurt Münger.

Hinter dem Angriff soll die Hackergruppe «Sandworm» stehen. Sie wird dem russischen Militärgeheimdienst GRU zugeordnet. Gemäss Experten von Kaspersky Lab, eines russischen IT-Sicherheitsunternehmens, verfügten die Spiezer-Hacker über russische Sprachkenntnisse.

Syrien und Skripal

Das Schweizer Forschungsinstitut im Berner Oberland war an einer Analyse im Vergiftungsfall des Ex-Doppelagenten Sergei Skripal beteiligt. Dieser war im März mit seiner Tochter im englischen Salisbury mit dem Nervenmittel Nowitschok vergiftet worden. Die EU machte Russland für den Angriff verantwortlich. Die Regierung in Moskau dementierte eine Beteiligung.

Das Schweizer Labor wurde im Fall Skripal bereits direkt von der russischen Regierung ins Visier genommen. Der russische Aussenminister Sergei Lawrow behauptete im April, Ergebnisse der Analysen im Labor Spiez seien bewusst von der OPCW zurückgehalten worden. Diese würden beweisen, dass statt Nowitschok der von den USA und anderen Nato-Staaten, jedoch nicht von Russland, hergestellte Kampfstoff BZ verwendet wurde. Spiez widerspricht: «In den OPCW Proben zur Salisbury Untersuchung wurde der Stoff BZ nicht nachgewiesen», schreibt das Labor auf seiner Website.

Auf Twitter wies das Institut zudem darauf hin, dass nur die OPCW die Behauptungen Lawrows kommentieren könne. Es wiederholte aber seine Stellungnahme von Anfang April: Man habe keinen Zweifel daran, dass das britische Militärlabor Porton Down tatsächlich Nowi­tschok nachgewiesen habe. Die Untersuchungsstandards der OPCW-Mandatslabors seien so rigide, dass man den Resultaten vertrauen könne.

Spiez untersuchte zudem Giftgasangriffe in Syrien. So wurde 2015 Stefan Mogl, Chef des Fachbereichs Chemie des Labor Spiez, von der UNO ins Leitungsgremium des Ausschusses zur Untersuchung von Chemiewaffeneinsätzen in Syrien berufen. Die UNO rief das Gremium in Zusammenarbeit mit der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) ins Leben. Die Aufgabe des Ausschusses war es, die für die Angriffe verantwortliche Täterschaft zu identifizieren. Die UNO verdächtigt die syrische Regierung, hinter den Angriffen zu stecken und Russland, die Attacken gedeckt zu haben.

Das dem Bundesamt für Bevölkerungssschutz (Babs) unterstellte Labor Spiez ist die eidgenössische Fachstelle und für den Schutz vor ABC-Angriffen (atomar, biologisch und chemisch). (sep/sda)

Erstellt: 29.07.2018, 11:58 Uhr

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