Mit dem Innovationspark richtet Biel gross an

Fünf Standorte sollen in den nächsten Jahren zum idealen Nährboden für Innovation entwickelt werden. Stiftungspräsident und FDP-Ständerat Ruedi Noser verspricht sich davon längerfristig 10'000 zusätzliche Stellen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Silicon Valley in den USA ist legendär: Zwischen San Francisco und San José entstand eine einmalige Konzentration von Wissen und Unternehmergeist. Hier begann die digitale Revolution. Der am Montag in Bern mit viel Trara vor 130 Gästen offiziell ­lancierte Schweizerische Inno­vationspark soll sich an nichts Geringerem messen. Zumindest, wenn es nach dem Zürcher FDP-Ständerat Ruedi Noser geht. Der Schweizer Ansatz sei sogar besser, da lebendiger und branchenübergreifender, sagte er.

Noser, Vater der Idee und Präsident der privat finanzierten Trägerstiftung Switzerland In­novation, betonte: «Der Innovationspark ist ein Generationenprojekt.» In fünf Jahren werde man sehen, ob sich das Risiko auszahle, in etwa zehn, ob die gesteckten Ziele realistisch gewesen seien. «Ich gehe von 10 000 zusätz­lichen Arbeitsplätzen aus», sagte Noser am Rande des Anlasses.

Start mit fünf Standorten

Die Schweiz ist laut Noser zwar das innovativste Land der Welt, schlage daraus aber zu wenig ­Kapital. Das möchte die Stiftung Switzerland Innovation ändern. An den fünf Standorten Dübendorf ZH, Allschwil BL, Villigen AG, Lausanne VD und Biel BE ­sollen Firmen von der Nähe zu Top-Bildungsinstitutionen pro­fitieren, indem sie ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen dort ansiedeln. Hauptanziehungspunkte sind ohne Zweifel die Eidgenössischen Technischen Hochschulen in ­Zürich (ETH) und Lausanne (EPFL). In Lausanne haben der Nahrungsmittelkonzern Nestlé und der Uhrenhersteller Rolex bereits Forschungszentren finanziert. Ähnliches soll dereinst in Dübendorf geschehen.

Bund und Kantone beteiligen sich in dreierlei Hinsicht an solchen Projekten. Einmal, indem sie die Bildungsstätten finanzieren. Dann stellen sie Land im Baurecht zur Verfügung, und der Bund kann zusätzlich Bürgschaften für Projekte sprechen. Dafür hat das Bundesparlament vergangenen September einen Rahmenkredit von 350 Millionen Franken genehmigt. Im Vordergrund steht aber das finanzielle Engagement international agierender Firmen. Dass dies gelingt, bezweifeln Kritiker, zu denen vor allem SVP-Politiker gehören. Beim Schweizerischen Innovationspark handle es sich vor allem um einen «Illusionspark», monieren sie.

Bundesrätliche Mahnung

Am Montag war von dieser Skepsis wenig zu spüren. Bundespräsident Johann Schneider-Ammann teilte in seiner Grussbotschaft den Optimismus. Er mahnte jedoch, der Schweizerische ­Innovationspark müsse noch beweisen, dass er mehr als ein «politisches Lippenbekenntnis» sei. Wichtig sei dafür, die erreichte Einigkeit von «Ost bis West» zu bewahren. Er spielte damit auf das latente Misstrauen ausserhalb Zürichs an, das revidierte Forschungs- und Innovationsförderungsgesetz sei im Wesentlichen eine «Lex Dübendorf». Die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh hegt auf jeden Fall hohe Erwartungen und ist überzeugt, dass auf dem Militärflugplatz in Dübendorf bald «die Post abgehen» werde.

Jeder der fünf Standorte hebt in einem spezifischen Profil seine Trümpfe hervor, die dann unter dem gemeinsamen Dach vermarktet werden sollen. Im Idealfall lässt sich laut Noser so künftig ein öffentlich investierter Franken mit einem zusätzlichen Franken aus der Privatwirtschaft verdoppeln, was letztlich allen nütze: «Innovation ist der Grundstein des wirtschaftlichen Erfolgs unseres Landes – und damit der Garant für unseren Wohlstand.»

In einem symbolischen Akt drückten dann Vertreter der Stiftung und der fünf Standorte im Zentrum Paul Klee einen überdimensionierten roten Knopf zum Start des Projekts. Der Berner Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher war als Repräsentant Biels mit von der Partie (siehe Artikel rechts). Den Vergleich mit dem Silicon Valley scheute er ebenfalls nicht: Das Schweizer Mittelland sei dem kalifornischen Vorbild gar nicht so unähnlich. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.01.2016, 09:32 Uhr

Artikel zum Thema

20 Millionen Kantonsgelder für Swiss Innovation Park in Biel

Biel Der Kanton Bern soll den Aufbau des Swiss Innovation Park in Biel mit 20 Millionen Franken unterstützen. Einen entsprechenden Kreditantrag unterbreitet der Regierungsrat dem Kantonsparlament. Mehr...

Blog

Service

Von Kino bis Festival

Finden Sie hier die schönsten Events in unserer Region.

Kommentare

Blogs

Mamablog Die Diktatur der Frühaufsteher

Von Kopf bis Fuss Die Mär von der Low-Carb-Ernährung

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 29.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Unter Pausbacken: Eine Verkäuferin bietet an ihrem Stand im spanischen Sevilla Puppen feil. (13. November 2018)
(Bild: Marcelo del Pozo ) Mehr...