Roger Ronaldo

Dass mir das erst jetzt auffällt: Roger Köppel ist sowas wie der Cristiano Ronaldo der Schweizer Politik...

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Wie Ronaldo ist Köppel mässig bescheiden, mässig beliebt, aber saumässig begabt als Vollstrecker. Ich meine damit nicht das Verbaltackling des SVP-Rechtsaussen gegen SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Das war höchstens ein taktisches Foul. Biederes Polithandwerk. Muss man nicht pfeifen.

Nein, den CR 7 gab Köppel erst in der Nachspielzeit. Wie er da zum Gegenpressing überging und sich selbst zum kleinen Minderheitensprecher machte, der von Sommaruga herablassend-respektlos gemobbt worden sei. Wie er auf allen Kanälen den Nimbus des gradlinigen, konsequenten Saubermanns inszenierte, der allein der Wahrheit zuliebe weder sich noch andere schont. Wie er also Sommarugas Fehlpass lässig aufnahm und den Ball noch tagelang jonglierte, bevor er ihn genüsslich im Tor versenkte: ganz grosser Sport.

Ich sehe noch mehr Parallelen. CR wie RK demonstrieren gerne Überlegenheit und nerven damit Gegner wie Mitspieler. Läuft es schlecht, beklagen beide, dass die Teamkollegen halt das eigene Niveau nicht erreichen. Wo der Star von Real Madrid die Hände verwirft, haut sie der «Weltwoche»-Chef in die Tasten. Beide lieben das direkte Spiel, das Eins-gegen-Eins. Dribbeln, antäuschen, scharf schiessen. Ronaldo hasst das Verteidigen, Köppel das Tiki-Taka des Parlamentsbetriebs. Zu kollektiv, zu unauffällig, zu weit weg vom Tor. Statt sich für die Mannschaft zu verausgaben, denken beide lieber schon mal an ihr nächstes Solo.

Eine solche mentale Verschnaufpause gönnte sich Köppel letzte Woche, als es im Nationalrat um die Legislaturplanung ging. Da trabte er pomadig der Fraktionsmehrheit hinterher und stimmte (vergeblich) dafür, dort die Umsetzung der Neustrukturierung im Asylbereich als Ziel zu verankern. Dabei bekämpft doch die SVP genau das per Referendum. Er möge mir doch diesen irren Matchplan erklären, bat ich darum den SVP-Topskorer. Doch der hat dazu keine Lust. Köppel schweigt. Aber das ist ja nicht die schlechteste Nachricht. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.05.2016, 11:28 Uhr

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