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Rettungs-Heli kam nach 30 Minuten

Bei einem tragischen Unfall kommt ein Kind ums Leben. Die Rega ist erst eine halbe Stunde später vor Ort. Wie die «Weltwoche» schreibt, wäre ein TCS-Helikopter viel schneller gewesen.

Tragischer Unfall: Aus diesem Land Rover fiel das Kind. (4. Juli 2013)
Tragischer Unfall: Aus diesem Land Rover fiel das Kind. (4. Juli 2013)
Keystone

Vergangene Woche starb ein vierjähriger Junge bei einem tragischen Unfall im aargauischen Spreitenbach. Kurz nachdem seine Eltern in einem Land Rover über einen Kreisel gefahren waren, öffnete sich eine Tür und das Kind fiel auf die Strasse. Der Lenker des nachfolgenden Autos konnte nicht mehr bremsen und überfuhr das Kind.

Rega brauchte eine halbe Stunde

Die Rega sei erst eine halbe Stunde nach dem Unfall zur Stelle gewesen, schreibt nun die «Weltwoche». Der Helikopter musste aus Basel-Mulhouse einfliegen, weil die nächstgelegene Rega-Maschine in Dübendorf bereits im Einsatz war. Dies, obwohl 15 Kilometer entfernt auf dem Spital Muri ein Helikopter der Alpine Air Ambulance (AAA) gestanden wäre, bemängelt die Wochenzeitung. Diese Tochter des Touring-Club Schweiz (TCS) bietet im Kanton Aargau seit einem Jahr mit einem gelben Helikopter Luftrettungen an – und konkurrenziert damit die Rega.

Die «Weltwoche» macht diesen Fall zum Beispiel für einen happigen Vorwurf: Die Schweizerische Rettungsflugwacht verteidige gegenüber weiteren Anbietern in der Luftrettung ihre Monopolstellung (Artikel online nicht verfügbar). Dieser Streit werde auf dem Rücken der Patienten ausgetragen.

Wichtig anzumerken ist, dass das in Spreitenbach verunfallte Kind wohl auch bei einem schnelleren Einsatz der Luftrettung nicht überlebt hätte. Doch die Frage bleibt, weshalb nicht der Helikopter der AAA ausrückte? «Warum die Sanitätsnotrufzentrale 144 des Kantons Aargau zum erwähnten Einsatz nicht den Helikopter des TCS/AAA aufgeboten hat, können wir nicht beurteilen, ebenso wenig warum der Kanton Aaargau den Einsatz dem Kanton ZH übergeben hat», schreibt Rega-Sprecher Philipp Keller in einer E-Mail an Redaktion Tamedia.

Eine neue Situation für die Einsatzzentralen

Wie die «Weltwoche» schreibt, bat die Aargauer Einsatzzentrale die Zürcher Kollegen um Hilfe, weil die Aargauer Ambulanz nicht zur Verfügung stand. Die Zürcher sandten einen Rettungswagen und den Notarzt aus dem Spital Limmattal in Schlieren los. Und sie fordern bei der Rega einen Rettungshelikopter an – weil man für die Luftrettung immer mit der Rega zusammenarbeite, wie Sprecher Roland Portmann gegenüber Redaktion Tamedia sagt. «Wir disponieren keine Luftrettungsmittel, dieses Knowhow sowie die technischen Voraussetzungen haben wir gar nicht. Unser Single Point of Contact für Einsätze aus der Luft ist deshalb die Rega.»

Dass neben der Rega noch weitere Unternehmen die Luftrettung anbieten, sei auch für die Einsatzzentralen eine neue Situation: «Es ist ein Thema, das uns auch beschäftigt. Wir möchten hier rasch Klarheit.»

Im Kanton Aargau laufen derzeit bereits auf politischer Ebene Gespräche. Auslöser ist ebenfalls ein Unfall, bei dem ein Kind ums Leben kam. Die Einsatzzentrale bat damals die Rega aus Basel auf, obwohl in der Nähe des Unfallorts in Windisch ein TCS-Heli auf dem Flugplatz Birrfeld bereitstand.

Kein gemeinsames Dispositiv

Die Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli forderte daraufhin TCS und Rega auf, sich an einen Tisch zu setzen, um ein gemeinsames Dispositiv auszuarbeiten. Die beiden Rettungsorganisationen konnten sich jedoch nicht einigen (Redaktion Tamedia berichtete).

Grund war auf der einen Seite, dass die TCS-Maschinen den Anforderungen der Rega nicht genügten. Wie eine Unternehmenssprecherin damals gegenüber Redaktion Tamedia sagte, fehle dem gelben Helikopter eine Rettungswinde oder der bei den Rega-Maschinen gängige Kabelschneider, der Stromleitungen entzweien kann. Auf der anderen Seite war der TCS nicht bereit, die Vorgaben der Rega zu erfüllen.

Betreibt der TCS Rosinenpickerei?

Zur Sprache kommen wohl auch Kostenfragen. Im internationalen Vergleich ist der Qualitätsstandard der Rega unerreicht: In Deutschland kommt ein Helikopter auf eine Million Einwohner, während in der Schweiz die Rega über einen Helikopter pro 500'000 Einwohner verfügt. «Die zwölf Heli-Basen der Rega bringen pro Jahr je ein Defizit von zwei bis drei Millionen Franken», sagte Rega-Chef Ernst Kohler vor einigen Monaten gegenüber der «Basler Zeitung» zum Anbieterstreit.

Trotzdem stehe die Rega dank den Gönnerbeiträgen finanziell gesund da. «Wenn einzelne Anbieter beginnen, Rosinen zu picken, dann fehlt irgendwann das Geld und auch das Knowhow, um die Grundversorgung auch in entlegenen Bergtälern sicherzustellen», sagt Kohler. Nächste Woche soll Susanne Hochuli bekanntgeben, welcher Helikopter künftig den Vorrang haben soll.

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