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«Reagiert die Schweiz nicht, kommt noch meine Oma»

Hunderttausende Eritreer fliehen aus ihrem Heimatland – überdurchschnittlich viele davon in die Schweiz. Der Schriftsteller und Oppositionelle Zekarias Kebraeb hat die Strapazen der Flucht selbst erlebt.

Besonnen spricht Zekarias Kebraeb – bis es um das Thema Freiheit geht. Plötzlich fuchtelt der Eritreer mit den Armen, zeigt Emotionen, die bislang verborgen blieben. Und sagt: «Wir müssen bereit sein, für die Freiheit zu sterben.»
Besonnen spricht Zekarias Kebraeb – bis es um das Thema Freiheit geht. Plötzlich fuchtelt der Eritreer mit den Armen, zeigt Emotionen, die bislang verborgen blieben. Und sagt: «Wir müssen bereit sein, für die Freiheit zu sterben.»
Andreas Blatter

Herr Kebraeb, lassen Sie mich mit einer persönlichen Frage beginnen: Wo wären Sie heute, wenn Sie Ihr Land nicht verlassen hätten?Zekarias Kebraeb: Das ist klar: Entweder wäre ich im Krieg gestorben, oder ich würde ein Sklavendasein beim Militär fristen.

Dennoch dürfte es kein leichter Entscheid gewesen sein, als Sie vor 10 Jahren entschieden, Ihre gesamte Familie zurückzulassen und die Flucht zu wagen. Es war sehr schwer, mit 17 Jahren davonzulaufen. Aber für mich war die Freiheit sehr, sehr, sehr bedeutend. Kaum hatte ich die Grenze zum Sudan überschritten, hatte ich grosses Heimweh. Die Bedingungen waren fürchterlich. Es war so schlimm, dass ich dachte: Wäre es nicht vielleicht sogar leichter gewesen, im Militär zu leiden?

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