Zum Hauptinhalt springen

Quarantäne soll Kartoffeln schützen

Mehreren Gärtnereien macht eine hierzulande bislang unbekannte Pflanzenkrankheit zu schaffen. Die Bakterien können ganze Kartoffelernten vernichten. Der Erreger wurde aus Holland eingeschleppt.

Marius Aschwanden

Sie gilt als eine der gefährlichsten Pflanzenkrankheiten für Kartoffeln und Tomaten: das Bakterium mit dem Namen Ralstonia solanacearum. Ist eine Pflanze befallen, gibt es für sie keine Rettung. Die Staude beginnt zu welken, die Kartoffel wird schleimig, und die Pflanze stirbt ab. Ganze Ernten können so zerstört werden. Ein Gegenmittel gibt es nicht. Entsprechend hoch schätzen die Pflanzenschutzdienste im In- und im Ausland das Gefahrenpotenzial der Bakterien ein.

In der Schweiz trat die Krankheit bisher noch nie auf – anders etwa als in Deutschland oder den Niederlanden. Recherchen zeigen nun aber: In einer Gärtnerei in der Region Biel und einem weiteren Betrieb im Kanton Solothurn wurde Anfang Januar das als Quarantänebakterium eingestufte Ralstonia nachgewiesen. In drei weiteren Gärtnereien – eine im Kanton Bern und zwei im Kanton Zürich – besteht zudem der Verdacht auf die Pflanzenkrankheit. Bisher hat dies das Bundesamt für Landwirtschaft unter dem Deckel gehalten.

Rosen aus den Niederlanden

Auf Anfrage bestätigt Gabriele Schachermayr vom eidgenössischen Pflanzenschutzdienst die Vorkommnisse. Das Bundesamt für Landwirtschaft habe aber zusammen mit den kantonalen Pflanzenschutzdiensten entschieden, die Öffentlichkeit erst über das Auftreten der Krankheit zu informieren, sobald aus allen Betrieben die Laborergebnisse vorliegen würden. Welche Gärtnereien konkret betroffen sind, will der Bund nicht bekannt ­geben. «Die wirtschaftlichen Folgen könnten für die jeweiligen Betriebe beträchtlich sein», begründet Schachermayr. Sie sagt zudem, dass für die Kartoffelbauern etwa im Berner Seeland derzeit keine Gefahr bestehe. «Die Bakterien wurden bisher nur in geschlossenen Systemen wie Gewächshäusern nachge­wiesen.»

Das Bakterium Ralstonia solanacearum befällt vorwiegend Kartoffeln. Betroffene Knollen werden schleimig, und die Pflanzen ­sterben ab. Agroscope
Das Bakterium Ralstonia solanacearum befällt vorwiegend Kartoffeln. Betroffene Knollen werden schleimig, und die Pflanzen ­sterben ab. Agroscope

In die Schweiz kam die Krankheit von den Niederlanden her. «Wir wurden im letzten November vom dortigen Pflanzenschutzdienst darüber informiert, dass Rosenstöcke mit Verdacht auf eine Kontamination in die Schweiz geliefert wurden, und ­haben sofort eine Untersuchung eingeleitet», sagt Schachermayr. Um eine Ausbreitung zu verhindern, würden seit Januar «um­fassende Tilgungs- und strenge Hygienemassnahmen» in den ­Betrieben durchgeführt. Konkret seien die Unternehmen gesperrt und die betroffenen ­Rosen in Kehrichtverbrennungsanlagen verbrannt worden. «Zudem werden die Gewächshäuser und die Wasserleitungen und -tanks desinfiziert.»

Übertragung im Wasser

Übertragen werden die Bakterien durch Kontakt zwischen Pflanzen und über Werkzeuge wie etwa Gartenscheren oder das Bewässerungssystem. Schachermayr sagt denn auch, dass es so theo­retisch möglich wäre, dass die Krankheit von den Gewächshäusern in die Natur weitergetragen wird. «Normalerweise haben die Gärtnereien aber einen geschlossenen Wasserkreislauf. Die zuständigen Pflanzenschutzdienste schauen jeden Fall einzeln an und definieren die notwendigen Massnahmen.»

Dass aus den verdächtigen Lieferungen befallene Rosenpflanzen weiterverkauft worden sind, schliesst sie nach dem aktuellen Stand der Informationen aus. Zudem handle es sich beim Bakterium um eine spezielle Art von Ralstonia. «Dieses ist bisher auch in Holland nur in Gewächshäusern nachgewiesen worden. Wir wissen somit nicht, ob es in der freien Natur in unseren Breitengraden überhaupt überleben würde», sagt Schachermayr.

Bei der Vereinigung der Schweizerischen Kartoffelproduzenten ist man trotzdem beunruhigt. «Würden die Bakterien in die Natur gelangen, könnte das fatale Konsequenzen haben», sagt Geschäftsführerin Christa Kunz. Sie hofft deshalb, dass die Krankheit mit den Massnahmen unter Kontrolle gebracht werden kann. Wenn die betroffenen Gartenbaubetriebe zudem eine gewisse Distanz zu Landwirtschaftsbetrieben aufweisen, erschwere das eine Verbreitung der Bakterien zusätzlich.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch