Politik reagiert auf Fall Adeline M.

Hintergrund

Sicherheitspolitiker fordern die lückenlose Aufklärung der Umstände des Tötungsdelikts. Im Vordergrund die Frage: Wieso durfte Fabrice A. alleine mit Adeline M. sein?

Administrativuntersuchung angekündigt: Genfer Regierungsrat Pierre Maudet an der Medienkonferenz(links).

Administrativuntersuchung angekündigt: Genfer Regierungsrat Pierre Maudet an der Medienkonferenz(links).

(Bild: Keystone Lukas Lehmann)

Anja Burri@AnjaBurri

Der Fall Adeline M. beschäftigt auch Westschweizer Sicherheitspolitiker. Es sei viel zu viel schief gelaufen in jüngster Zeit, sagt der Genfer FDP-Nationalrat Hugues Hiltpold. «Ich bin beunruhigt über die Zustände im Westschweizer Strafvollzug.» Das betroffene «Centre de sociothérapie La Pâquerette», in dem der zweifach verurteilte Vergewaltiger Fabrice A. seine Strafe absass, sei eine gemeinsame Institution aller Westschweizer Kantone. Darum gehe der Fall alle an, betont der Genfer.

Die Justiz müsse vor allem bei der Risikoeinschätzung von Straftätern über die Bücher, fordert Hiltpold, Parteikollege von Pierre Maudet, dem Genfer Sicherheitsdirektor. Er kann nicht verstehen, warum die junge Sozialtherapeutin Adeline M. den Straftäter Fabrice A. alleine zur Therapie bringen musste. Ein potenziell gefährlicher Straftäter dürfe das Gefängnis nur in Polizeibegleitung verlassen, fordert er.

Erschüttert über die Tat

Der Genfer CVP-Nationalrat Luc Barthassat plädiert dafür, die Geschehnisse lückenlos aufzuklären. Es sei zum Beispiel wichtig zu wissen, in welcher Beziehung der mutmassliche Täter und sein Opfer gestanden seien. Aber auch er stelle sich die Frage, warum die beiden alleine unterwegs sein durften.

Die Stimmung in der Westschweiz sei aufgeheizt, sagt Barthassat. Er habe unzählige Telefone erhalten von Leuten, die sich «extrem aufregten». Diese Erfahrung machte auch der grüne Nationalrat Ueli Leuenberger. «Ich bin erschüttert über die Tat und auch über die teilweise extremen Reaktionen», sagt er. Der Genfer stellt sich ebenfalls zahlreiche Fragen. Unter anderem müsse untersucht werden, warum die Behörden erst nach ein paar Stunden Alarm schlugen.

Der Genfer Sicherheitsdirektor Pierre Maudet (FDP) zieht bereits erste Konsequenzen aus dem Tötungsdelikt: Die Freigänge aus Genfer Strafanstalten würden suspendiert, sagte er vor den Medien in Genf. Zugleich kündigte er eine Administrativuntersuchung an. Bewegt sprach Maudet den Angehörigen des Opfers seine Anteilnahme aus.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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