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Pädophiler Kapuziner wurde nur versetzt

Der Bischof müsse auch bei blossem Verdacht auf sexuelle Übergriffe sofort handeln, rät eine Kommission der Bistumsleitung in Freiburg.

Die Kommission zur Prävention sexueller Übergriffe, die Bischof Bernard Genoud im Februar im Bistum Genf - Lausanne - Freiburg eingesetzt hatte, zog am Freitag eine erste Zwischenbilanz. Sie hätten Hinweise auf 28 Fälle erhalten und mehrere Opfer und Dritte angehört, sagte Kommissionspräsidentin Françoise Morvant in Freiburg. Laut der früheren Untersuchungsrichterin wurden dabei Seelsorgern in einigen Fällen sexueller Missbrauch, in anderen schlechte Behandlung oder die Verletzung kirchlicher Pflichten zur Last gelegt. Die meisten Beschuldigten seien inzwischen tot und fast alle Taten verjährt.

Anfang Woche hatte die Freiburger Untersuchungsrichterin Yvonne Gendre einen pädophilen Kapuzinerpater als Serientäter entlarvt. Zwei der mutmasslich 24 Opfer des Kapuziners hatten sich der Kommission SOS Prävention anvertraut. Die Kommission gab die Information mit Einverständnis der Opfer an Gendre weiter. Ebenso Hinweise, wonach ein heute im Kanton Freiburg tätiger Priester 2000 und 2001 im Neuenburgischen eine junge Frau sexuell bedrängt haben soll. In diesem nicht verjährten Fall ermittelt nun die Neuenburger Justiz.

Den pädophilen Kapuziner hatten frühere Vorgesetzte mehrmals bloss straf-versetzt, ohne dem schweren Verdacht auf sexuelle Vergehen an Minderjährigen auf den Grund zu gehen und Strafanzeige zu erstatten. Dieses bis in die 80er-Jahre praktizierte Verhalten von Bischöfen und Ordensoberen sei heute unhaltbar, sagte der Theologieprofessor und Dominikaner Benoît-Dominique de la Soujeole: «Man muss den Abszess aufschneiden.»

Die Kommission riet daher Bischof Genoud, Verdachtsfällen unverzüglich nachzugehen. Ferner müssten bei Strafversetzungen in ein anderes Bistum oder ins Ausland die neuen Vorgesetzten unbedingt über die Gründe informiert werden. In schweren Fällen will das Expertengremium – unter Umgehung des Bischofs – die zivile Justiz selbst einschalten.

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