«Offene Märkte schaffen Jobs»

Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat auf einer Marathonreise nach Russland, Indonesien und Saudiarabien die USA besucht. Er warnte vor Protektionismus.

Zuletzt viel unterwegs: Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

Zuletzt viel unterwegs: Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

(Bild: Keystone)

Was war die Motivation für Ihre Marathonreise?Johann Schneider-Ammann: Es standen mit Russland, Indonesien, Saudiarabien und den USA spezifische Diskussionen an, die ich erledigen wollte. Durch die Besuche zieht sich auch ein roter Faden: die wirtschaftliche Situation und das Berufsbildungssystem. Wo immer wir waren, wurden wir darauf angesprochen. Meine Gesamtbilanz: Die Berufsbildung hat eine grosse gesellschaftliche Bedeutung, das wurde mir überall bestätigt.

Wird die Berufslehre auch in den USA zum Standard? Von Handelsminister Wilbur Ross über Bildungsministerin Betsy DeVos und Arbeitsminister Alexander Acosta bis zu Ivanka Trump – bei allen war ein grosser Wille spürbar, der professionellen Tätigkeit wieder zu mehr Sozialprestige und Anerkennung zu verhelfen, damit die Industrialisierung, die Innovation und die Vollbeschäftigung gefördert werden. Aber das wird ein langwieriger Prozess.

Mit dem US-Handelsminister haben Sie auch über die Liste der Länder gesprochen, die mehr in die USA exportieren als von dort importieren. Drohen uns von der Regierung Trump Massnahmen? Wir haben festgestellt, dass die Schweiz zwar bei den Gütern einen Vorteil hat, die USA aber im Dienstleistungsbereich die Nase vorne haben, sodass die Handelsbilanz ungefähr ausgewogen ist. Ich habe den Eindruck bekommen, dass Herr Ross eine gewisse Entwarnung gegeben hat. Abgehakt ist die Sache aber noch nicht.

Sie sind in Washington während der «Made in the USA»-Woche, in der in den Vereinigten Staaten produzierte Güter gefeiert werden. Ist dieser Ansatz auch in den anderen drei Staaten ein Thema? Es ist bekannt, dass es eine gewisse Entwicklung Richtung Loka­lisierung und Protektionismus gibt. Man sucht das Heil darin, primär zu den eigenen Jobs zu schauen. Das darf aber nicht über Abschottung und Abgrenzung passieren, sondern durch Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit. «Made in the USA» können sich die Amerikaner mit dem grössten Binnenmarkt zu einem gewissen Grad leisten. Ein kleiner Markt wie die Schweiz käme gar nicht auf diese Idee. Offene Märkte führen zu grösseren Handelsströmen, was grössere Wertschöpfung und mehr Beschäftigung bedeutet.

Sie haben vier Global Players ­besucht. Will die Schweiz damit signalisieren, dass sie auch in der obersten Liga mitspielt? Das war nicht die Idee. Wir gehen nicht in die Welt hinaus, um zu missionieren, aber die Schweiz muss Kontakte knüpfen und gute Vernetzung suchen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt