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Nun beginnen die Tests der neuen Kampfjets

Spezialisten von Armee, Luftwaffe und Armasuisse nehmen bis Ende Juni die fünf Kandidaten für die Nachfolge der F/A-18 unter die Lupe. Den Anfang macht der Eurofighter.

Jetzt werden die neuen Schweizer Kampfjets getestet: Mit jedem Kandidaten werden acht Missionen geflogen. Video: SDA/Tamedia

Die technische Erprobung neuer Kampfjets für die Schweizer Armee tritt in die entscheidende Phase. Diese Woche wird der erste von fünf Kandidaten für die Nachfolge des F/A-18 in Payerne getestet. Es handelt sich dabei um den Eurofighter, der gestern in der britischen Version auf dem grössten Schweizer Militärflugplatz gelandet ist. Gleichzeitig erläuterten in Bern Verantwortliche von Luftwaffe, Armasuisse und Verteidigungsdepartement das genaue Verfahren bei der Erprobung.

Die interessanteste Information betraf dabei den politischen Teil des Auswahlverfahrens und nicht den technischen. Christian Catrina, der Delegierte der Verteidigungsministerin für das Beschaffungsvorhaben Air 2030, gab ein erstes Echo zur Expertise des früheren Kampfjetpiloten und Astronauten Claude Nicollier. Kaum im Amt, beauftragte die neue VBS-Chefin Viola Amherd Nicollier mit einer unabhängigen Expertenmeinung, um sich persönlich ein Bild machen zu können.

Nicollier bestätigt die Einschätzungen

Catrina sagte, es habe dazu kürzlich eine erste Aussprache zwischen Amherd und Nicollier gegeben. Dieser habe nach der Lektüre vorhandener Berichte und Einschätzungen «keine fundamentale Differenz» festgestellt. Damit zeichnet sich ab, dass sich Nicolliers unabhängige Zweitmeinung nicht fundamental unterscheiden wird von den vorliegenden Einschätzungen aus Armee- und Luftwaffenkreisen zur militärischen Bedrohungs­lage und den möglichen Antworten darauf. Nicollier wird seinen Befund bis Ende Monat Amherd übergeben.

Eine zeitliche Verzögerung bei der technischen Evaluation erwartet Catrina demzufolge nicht. Hinterher hinkt im Zeitplan demgegenüber aber die politische Entscheidfindung. Die Typenwahl des Bundesrats sei jetzt Ende 2020, Anfang 2021 «variabel angesetzt», sagte Catrina.

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Bildstrecke: Wie die Kampfjet-Hersteller in der Schweiz für sich werben

Auf der Wunschliste: Der Typ F-35 steht bei Offizieren besonders hoch im Kurs. (12. Oktober 2017)
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Keystone
In Eigenregie: Für den Rafale lobbyiert Dassault mit einer eigenen Agentur namens Rafale International.
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Keystone
Offen: Welche Lobbyisten Boeing für die F/A-18 Super Hornet engagiert, ist noch nicht entschieden.
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Getty Images
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Klar wurde gestern auch, dass die technische Evaluation schon vor Wochen angefangen hat – im Ausland. 20 Sachverständige aus der Schweiz besuchten Einsatzbasen in den Herstellerländern. Erhoben haben die Schweizer dort Daten zur Logistik und zum Betrieb der Jets. Bereits abgeschlossen sind auch Missionen in Flugsimulatoren. Diese liessen heute mehr Erkenntnisse zu als noch bei der letzten Evaluation vor zehn Jahren. Bernhard Berset, Teilprojektleiter für die Erprobung der Jets, sagte weiter, die Nutzung von Simulatoren bei den Herstellern ermöglichten es, die Zahl der tatsächlich geflo­genen Missionen in der Schweiz zu verkleinern. Noch ein Drittel der Flugtests in der Schweiz sei im Vergleich zur letzten Erprobung nötig.

Dass in der Schweiz überhaupt Testflüge durchgeführt werden, hat nach Darstellung der Zuständigen handfeste Gründe. In ihrem Fokus stehen in den nächsten Wochen die Sensoren, die an den Jets angebracht sind. Diese verhielten sich in der gebirgigen Schweiz unter Umständen anders. Berset sagte auch, es gehe die nächsten Wochen darum, die Angaben der Hersteller zu validieren. Die Schweizer überprüfen also sozusagen, ob die Angaben im Verkaufsprospekt überhaupt zutreffen.

Bundesrat trifft die Typenwahl

Gemäss Botschafter Catrina ­haben alle Bewerber, die auf eigene Kosten mehrere Millionen für die Erprobung in der Schweiz investieren, exakt die gleichen Chancen. Es gebe heute keine Präferenzen. In einer ersten ­Phase soll es denn auch keine ­direkten Vergleiche unter den fünf Typen geben. Es handelt sich dabei um den Eurofighter (Airbus, Deutschland), die F/A-18 Super Hornet (Boeing, USA), den Rafale (Dassault, Frankreich), die F-35A (Lockheed-Martin, USA) und den Gripen E (Saab, Schweden).

Später erfolgt dieser Vergleich dann aber sehr wohl. Darko Savic von der Rüstungsbeschafferin Armasuisse und dort Projektleiter für das neue Kampfflugzeug gab dabei die Details im Zeitplan bekannt. Nach Erhalt der ersten Offerte finde jetzt bis Juni die Analyse- und Erprobungsphase statt. Von Juli bis Ende 2019 verfassen die Schweizer Tester dann ihre Fachberichte. Danach geht Ende 2019 eine zweite Offertanfrage an die Anbieter.

Von Januar bis März 2020 ist dann eine weitere Verhandlungsphase angesetzt. Hernach folgt bis Ende des nächsten Jahres die Auswertung der Offerten und der Vergleich der Kandidaten. Daraus entsteht der Bericht mit der Empfehlung an den Bundesrat, der die Typenwahl zu treffen hat.

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