Zum Hauptinhalt springen

«Nicht jeder Schweizer möchte nach Singapur auswandern»

Josef Ackermann traf in einem Polittalk auf den Alt-68er Daniel Cohn-Bendit. Der Schweizer Banker lobte dabei überraschend die Finanzpläne des Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück.

Begrüsst einen Restrukturierungsfonds für Banken auf europäischer Ebene: Josef Ackermann, gestern bei Günther Jauch. (Bild: Screenshot)
Begrüsst einen Restrukturierungsfonds für Banken auf europäischer Ebene: Josef Ackermann, gestern bei Günther Jauch. (Bild: Screenshot)

Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat das Konzept des designierten SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück zur Reform des Finanzsektors in Teilen unterstützt. Er teile Steinbrücks Meinung, «dass wir auf europäischer Ebene einen Restrukturierungsfonds benötigen, um Banken auch grenzüberschreitend abzuwickeln», sagte Ackermann gestern Abend in der ARD-Talkshow von Günther Jauch.

Der Schweizer Banker betonte aber auch, dass solche Regelungen auf internationaler Ebene festgelegt werden müssen, weil sonst die besten Kräfte und Talente in aufstrebende Märkte nach Asien abwandern würden. Sein Gegenüber, der Alt-68er Daniel Cohn-Bendit, konterte diese Bemerkung mit den Worten: «Nicht jeder Schweizer möchte nach Singapur auswandern.» Der Grün-Politiker spielte darauf an, dass nicht nur hohe Löhne und Boni darüber entscheiden, wie konkurrenzfähig ein Finanzplatz ist. Es war das Duell Revoluzzer gegen Banker.

Selbstfinanzierter Rettungsfonds in der Höhe von 200 Milliarden Euro

Steinbrück hatte sein Konzept vergangene Woche vorgestellt. Es sieht unter anderem einen von Europas Banken selbst finanzierten Banken-Rettungsfonds mit einem Volumen von 200 Milliarden Euro vor. Zudem pocht er auf eine europäische Finanztransaktionsteuer, um den Finanzsektor an den Kosten der Krise zu beteiligen. Gleichzeitig will der ehemalige Finanzminister das Privat- und Geschäftskundengeschäft vom Investmentbanking trennen – notfalls könnte dann der Investmentteil abgewickelt werden.

Eine Trennung der Geschäfts- und Investmentbereiche von Banken lehnt Ackermann ab, stattdessen fordert er klare Regeln für das Investmentbanking: Unter anderem müsste der Transfer von Geldern aus dem Privatkundengeschäft ins «risikoreiche Investmentbanking» verboten werden, sagte der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank.

«Kaum Neues»

Das Wirtschaftsministerium kritisierte, Steinbrücks Bankenpapier enthalte «kaum Neues». Das Papier zeichne «überwiegend lediglich den derzeitigen Diskussionsstand nach», teilweise bleibe es sogar hinter dem Stand der aktuellen Regulierung zurück, hiess es in einer internen Bewertung von Experten aus dem Haus von FDP-Minister Philipp Rösler, aus der «Die Welt» zitierte.

Die Sozialdemokraten sammeln sich derweil geschlossen hinter ihrem designierten Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Auch die Parteilinke kündigte an, den 65-Jährigen zu unterstützen. «Die Gegner sind nicht in der Partei», sagte der Koordinator der SPD-Linken, Ralf Stegner, heute im ZDF-«Morgenmagazin». Es gelte, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu schlagen. Dafür sei Steinbrück «eine gute Wahl». Unterdessen debattieren Grüne und FDP über eine mögliche Zusammenarbeit mit der SPD nach der Bundestagswahl im September 2013.

AFP/mrs

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch