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Neuer Parteiname verärgert FDP-Basis

Die Parteispitze will mit den Liberalen eine neue Partei gründen. Dagegen hat die Basis nichts, aber gegen den neuen Namen FLP.

Bei Silvio Zuccolini, dem Pressechef der FDP Graubünden, sind in den letzten Wochen Dutzende empörter Mails von Parteimitgliedern eingetroffen. Sie betreffen den von der Zentrale angestrebten Zusammenschluss mit den Liberalen und die damit verbundene Umbenennung der Partei: Die FDP soll zur FLP mutieren - zur Freisinnig-Liberalen Partei. «Das kommt für uns nicht in Frage», macht Zuccolini klar. «Es gibt keinen Grund, einen so bekannten Namen wie die FDP zu ändern.» Zumal die Liberalen in den meisten Kantonen der deutschen Schweiz gar nicht präsent seien. Nur wegen der Fusion den Namen aufzugeben, sei fahrlässig. «Das schadet der Partei mehr, als es ihr nützt.»

Logo erst grad geändert

Die Bündner sind mit ihrer Kritik nicht allein. In Zürich fragt man sich ebenfalls, ob dieser Schritt sinnvoll ist. «Man muss sich die Namensänderung gut überlegen», sagt FDP-Präsident Beat Walti. Die bisherigen Reaktionen der Basis seien mehrheitlich skeptisch ausgefallen. In Bern sind ähnliche Abwehrreflexe auszumachen. Die angekündigte Umbenennung stösst auch dort auf Widerstand. «Viele fragen sich, ob die Partei keine wichtigeren Aufgaben zu lösen hat», sagt Parteipräsident Johannes Matyassy. Er selbst steht dem Ansinnen offen gegenüber, ist vom anvisierten Namenswechsel allerdings auch nicht begeistert. Die Aargauer Freisinnigen gehen ebenfalls deutlich auf Distanz. Seit den Wahlen 2003 trete man bereits mit dem Slogan «FDP. Wir Liberalen» auf. Das reiche. Nun nochmals die Begriffe zu ändern, «geht zu weit», sagt die Aargauer Präsidentin Doris Fischer.

Sektionen scheuen neue Umtriebe

Die FDP hat ihren äusseren Auftritt in der Tat erst vor kurzem aufgefrischt - und das Logo im Hinblick auf eine engere Zusammenarbeit mit den Liberalen adaptiert. Was nach einer kleinen Anpassung tönt, war für die Kantonal-, Bezirks- und Ortsparteien mit einem grossen Aufwand verbunden. Sie mussten alle Visitenkarten, Couverts, Schilder, Fahnen und Stelltafeln aufs neue Logo abstimmen. Mit entsprechenden Kostenfolgen: Die Umstellung absorbierte in manchen Sektionen die Hälfte des jährlichen Budgets. Angesichts dieser Erfahrungen erstaunt es nicht, dass die Aargauer die kommenden Wahlen - im November wird die Regierung neu bestellt und im Frühling der Grossrat - sicher noch mit dem jetzigen Namen bestreiten werden. «Das ist bereits entschieden», sagt Doris Fischer.

Der Fahrplan von FDP-Präsident Fulvio Pelli sieht anders aus. Ziel ist, das Bündnis mit den Liberalen im Oktober zu gründen, die Freisinnig-Demokratische Partei per Ende Jahr aufzulösen - und ab nächstem Jahr als Freisinnig-Liberale Partei (FLP) aufzutreten. Etwas mehr Zeit soll einzig den Kantonen Basel-Stadt, Genf und der Waadt eingeräumt werden, wo die Liberalen am stärksten präsent sind. Dort werden bis auf weiteres beide Strömungen eigenständig weiterleben. Dass dies diesen Kantonen zugestanden wird, mögen ihnen die Kritiker der Umbenennung gönnen. Sie pochen aber auf Gegenrecht. Die Solothurner Freisinnigen wollen nicht nur bei ihrem traditionellen Namen, sondern auch bei ihrer gelben Parteifarbe bleiben. «Das gehört zu unserem Selbstverständnis», sagt FDP-Ständerat Rolf Büttiker. «Darauf sind wir stolz», doppelt Finanzdirektor Christian Wanner nach. «Unsere Partei wurde noch vor der nationalen gegründet.»

Selbst die früheren Liberalen bremsen

Interessant ist, dass sogar die Luzerner Freisinnigen keine Freude an der von Pelli angestrebten Umbenennung haben - obwohl sie bis in die 90er-Jahre «Liberale» hiessen. Im Kanton Schwyz sowie in Ob- und Nidwalden war es lang ebenso. «Nun schon wieder den Namen zu wechseln, macht einfach keinen Sinn», sagt FDP-Nationalrat Otto Ineichen. «Wir sollten unser Geld und unsere Energien besser in die politische Arbeit stecken.»

Ob die Parteiführung angesichts dieser Skepsis am Namenswechsel festhält oder ob aus der FLP ein FLOP wird, wie böse Zungen sagen, zeigt sich bald. Ende Monat läuft die Frist ab, die den Kantonen zur Stellungnahme eingeräumt worden ist. «Dann werden wir sehen, wie unser Vorschlag ankommt», sagt FDP-Präsident Fulvio Pelli. «Namensänderungen sind selbstverständlich etwas schwierig zu akzeptieren. Das ist mir bewusst.»

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