Neue Vermittlerin in Konfliktfällen

Die Kindes- und Er­wachsenenschutzbehörden stehen immer wieder in der ­Kritik. Nun soll eine neue Anlaufstelle für Betroffene bei Konflikten vermitteln, Perspektiven aufzeigen und Eskalationen verhindern.

Gewalt gegen Kinder: Greift die Kesb ein, kommt es häufig zu Konflikten.

Gewalt gegen Kinder: Greift die Kesb ein, kommt es häufig zu Konflikten. Bild: Fotolia

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Die Massnahmen der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) sind hochsensibel. Sie können für die Betroffenen schmerzhaft sein und Verzweiflung auslösen. Hier will die neue schweizweite Anlaufstelle Kindes- und Erwachsenenschutz (Kescha) ansetzen. Betroffene von Kesb-Massnahmen können sich hier telefonisch oder im Zürcher Büro der Anlaufstelle persönlich beraten lassen.

Es brauche eine professionelle Kesb, aber oft seien die zeitlichen Ressourcen zu beschränkt für lange Gespräche, sagte Guido Fluri an der gestrigen Medienpräsentation.

Hier will die Kescha als spezifische und unabhängige Stelle einspringen, um ­Betroffenen zu helfen und Eskalationen zu verhindern. Guido Fluri ist Vorsitzender der gleichnamigen Stiftung, welche die Kescha initiiert hat und die Anlaufstelle für zwei bis drei Jahre mit «ein paar Hunderttausend Franken pro Jahr» finanziert.

Erschwerte Zusammenarbeit

Fluri, der auch die Wiedergutmachungsinitiative für Verdingkinder lanciert hatte, stellte fest, dass bei seiner Stiftung in den letzten Jahren immer mehr Anfragen von Vätern und Müttern eingingen, die von Problemen mit den Kesb berichteten.

Seit die Behörde vor vier Jahren gegründet wurde, hätten die Kesb unter der konstanten Kritik und der Medienpräsenz gelitten, sagte Fluri. Diese Stimmung erschwere die Zusammenarbeit.

«Wir wollen Eskalationen  verhindern und Be­troffenen Perspektiven aufzeigen.»Stiftungspräsident Guido Fluri

Die neue Anlaufstelle geselle sich nicht zu den Kesb-Kritikern, die die Behörde mit politischen Vorstössen schwächen wollen, betonte Fluri. Vielmehr wolle man den Betroffenen Perspektiven aufzeigen, damit der Dialog mit den Fachbehörden und Beiständen wieder aufgenommen werden könne.

Aufgebaut hat die Guido-Fluri-Stiftung die neue Anlaufstelle gemeinsam mit Integras, dem Fachverband Sozial- und Sonderpädagogik, der Stiftung Kinderschutz Schweiz, der Kinderanwaltschaft Schweiz, der Pach (Pflege- und Adoptivkinder Schweiz) und der Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz (Kokes) – alles Organisationen, die sich für den Kindes- und Erwachsenenschutz einsetzen: Die Arbeit der Kesb sei gut, aber es sei normal, dass es in den ersten fünf bis zehn Jahren Verbesserungspotenzial gebe, sagte Kokes-Generalsekretärin Diana Wider. Sie begrüsse die Anlaufstelle, die indirekt auch die Kesb stärke.

Die Anfragen bei Kescha werden von der Universität Freiburg ausgewertet. Zweimal pro Jahr findet ein Austausch mit der Kokes-Konferenz statt, um Abläufe zu verbessern: «Wir wollen wissen, wo der Schuh drückt», sagte Wider.

«Keine Angst vor der Kesb»

«Lehnen Sie den Kontakt zur Kesb nicht ab und bleiben Sie in Gesprächen ruhig.» Und: «Haben Sie keine Angst vor den Behörden.» Das sind zwei Tipps aus der neuen Kescha-Broschüre. «Muss die Kesb eine Zwangsmassnahme anordnen, kann eine betroffene Mutter oft gar nicht richtig zuhören», sagte Wider. Da brauche es die Anlaufstelle, die rechtliche Perspektiven aufzeige und vor allem beruhige und informiere.

«Die Betroffenen müssen sich verstanden fühlen», sagte auch André Woodtli, Kescha-Vorstandsmitglied und Vizepräsident vom Stiftungsrat Kinderschutz Schweiz. Die Kommunikation sei für das Vertrauen ­zentral.

Derzeit sind zwei Mitarbeiter für die Anlaufstelle tätig. Laut Fluri sollen bald mehr Standorten hinzukommen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.01.2017, 07:20 Uhr

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