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Mit neuem System zu mehr Spenden

Eine Initiative will die Zustimmung zur Organspende erhöhen. Lanciert wurde sie am Dienstag von einer welschen Sektion der Jungen Wirtschaftskammer. Die jungen Menschen setzen auf die Widerspruchslösung.

Brigitte Walser
Organspende im Todesfall? Eine Initiative lanciert die Diskussion zur Willensäusserung neu.
Organspende im Todesfall? Eine Initiative lanciert die Diskussion zur Willensäusserung neu.
YPPS

Schweizerinnen und Schweizer reden offenbar nicht gerne darüber, ob sie im Todesfall zu einer Organspende bereit wären oder nicht. Dies zeigen Angaben der Stiftung Swisstransplant: In rund der Hälfte der Gespräche zu einer Organentnahme sei der Wunsch der verstorbenen Person nicht bekannt. In solchen Fällen können die nächsten Angehörigen stellvertretend im Sinne des ­Verstorbenen entscheiden.

Man kann sich gut vorstellen, dass dies ein schwieriger Entscheid in einer belastenden Situation ist. Im vergangenen Jahr gab es laut Swisstransplant in weniger als 40 Prozent der Fälle eine Zustimmung. Und dies, obwohl 85 Prozent der Schweizer Bevölkerung die Organspende grundsätzlich befürworte.

Der Bund strebt eine Zustimmung in über 60 Prozent der Fälle an. Die Zahl ist eines der Ziele eines 2013 lancierten Aktionsplans für mehr Organe für Transplantationen. Dass sie nicht zu hoch gegriffen ist, zeigte am Dienstag Franz Immer, Direktor von Swisstransplant, anhand von Zahlen im Ausland: In Frankreich und Spanien lägen die Zustimmungsraten bei 70 und 85 Prozent.

Der geplante Verfassungstext

Das Ziel wollte der Bund unter anderem mit einer Kampagne in der Bevölkerung erreichen. Diese war zurückhaltend und neutral gestaltet, einen Aufruf zur Spende enthielt sie nicht, weil das Parlament dem Bund die Aufgabe gab, zu informieren, entscheiden müsse aber jeder selber.

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Nun ergreifen junge Menschen aus dem Welschland die Initiative: Eine lokale Sektion der Jungen Wirtschaftskammer hat am Dienstag mit der Unterschriftensammlung für eine nationale Volksinitiative begonnen. Wie die Initianten vor den Medien darlegten, wollen sie in die Verfassung schreiben, dass die Organspende auf dem Grundsatz der vermuteten Zustimmung beruht, es sei denn, man äussere zu Lebzeiten seine Ablehnung.

Sie wollen damit das System der erweiterten Widerspruchslösung einführen: Wer nicht zur Organspende im Todesfall bereit ist, kann sich in ein Register eintragen lassen. Laut den Initianten soll ein fehlender Eintrag aber nicht automatisch zu einer Organspende führen. Sei kein Eintrag vorhanden, müsse das Gespräch mit den Angehörigen gesucht werden, die eine Spende immer noch verhindern könnten.

Bisher abgelehnt

In der Schweiz warteten Ende letzten Jahres 1480 Menschen auf eine Transplantation, letztes Jahr starben 74 Personen, die auf der Warteliste standen, weil ein passendes Organ nicht rechtzeitig gefunden wurde.

Die Stiftung Swisstransplant, die in der Schweiz für die Zuteilung der Organe zuständig ist, unterstützt die Initiative, wie Pierre-Yves Maillard, Präsident von Swisstransplant und Regierungsrat des Kantons Waadt, betonte. Schon mehrmals stand die Widerspruchslösung, die man unter anderem in Spanien anwendet, auch in der Schweiz zur Diskussion. Politiker lehnten sie bisher jedoch ab, weil sie zuerst die Wirkung des Aktionsplans abwarten wollten.

Für die Initianten besteht jetzt Handlungsbedarf, wie Anne-Céline Jost deutlich machte. Sie ist Präsidentin der Jungen Wirtschaftskammer der Region Montreux (Jeune Chambre Internationale Riviera). Ursprünglich sei das Ziel lediglich gewesen, das Thema Organspende in die Öffentlichkeit zu tragen, sagte sie, die im persönlichen Umfeld mit dem Thema in Kontakt gekommen ist.

Dann habe sich das Projekt entwickelt, und nun hoffen die jungen Menschen, in den nächsten Monaten mindestens 100 000 Unterschriften zu sammeln, damit über das Thema nicht nur geredet, sondern auch abgestimmt werden kann.

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