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«Das ist kriminelle Gewalt ohne jegliches Motiv»

Nach der Mob-Attacke auf Beamte in Zürich fordert der oberste Polizist der Schweiz mehr Polizeipräsenz – und damit mehr Personal.

«Die 24-Stunden-Gesellschaft ist eine Herausforderung»: Stefan Blättler fordert mehr Personal. (Archivbild)
«Die 24-Stunden-Gesellschaft ist eine Herausforderung»: Stefan Blättler fordert mehr Personal. (Archivbild)
Thomas Delley), Keystone

Gegen die zunehmende öffentliche Gewalt gibt es nach Ansicht des obersten Polizisten der Schweiz kein Wundermittel. Erste Massnahme bleibe mehr Polizeipräsenz, sagt Stefan Blättler, Präsident der Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten.

«Gewalt im öffentlichem Raum folgt einem bekannten Muster», sagte Blättler in der Sendung «Samstagsrundschau» von Radio SRF. Sie hänge stark vom Ausgehverhalten ab. Zu Auseinandersetzungen komme es vor allem am Wochenende zu bestimmten Zeiten und an neuralgischen Schauplätzen wie Parkplätzen, Bahnhöfen, Bushaltestellen sowie vor Bars und Nachtklubs.

«Wenn die Polizei zu den kritischen Zeiten an diesen Brennpunkten präsent ist, hat dies eine dämpfende Wirkung. Das zeigt unsere Erfahrung», sagte Blättler, seit 2006 Polizeikommandant des Kantons Bern.

«Mehr Präsenz heisst aber auch mehr Leute», fuhr er fort. Eine konkrete Zahl wollte Blättler auf eine entsprechende Frage des Journalisten jedoch nicht nennen.

Zu viel Büroarbeit

Doch nicht nur wegen der zunehmenden Gewalt braucht es nach Blättlers Ansicht mehr Polizisten. Ein grosses Problem sieht er darin, dass die administrative Last der Polizisten in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat. «Der Polizist verbringt heute mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit hinter dem Computer», sagte Blättler.

Dazu habe unter anderem auch die neue Strafprozessordnung geführt. In diesem Bereich versuchten die Polizeikommandanten in Zusammenarbeit mit den Staatsanwaltschaften über die Politik eine Erleichterung für die Polizisten zu erreichen. Eine weitere Herausforderung ist laut Blättler die «24-Stunden-Gesellschaft», welche die Arbeitszeit der Polizisten stark ausgedehnt hat.

Neue Bedrohungen wie etwa Cyberkriminalität und Terrorismus hätten die Arbeit eines Polizisten zudem viel breiter und vielfältiger, damit aber auch anspruchsvoller gemacht.

Entsetzen und Sprachlosigkeit

Anlass des Interviews mit dem obersten Polizeikommandanten der Schweiz war der brutale Ausbruch von Fangewalt am vergangenen Samstag in Zürich. Ein 300-köpfiger Mob griff die Stadtpolizei Zürich mit Steinen und Flaschen an, als diese nach einer Messerstecherei an die Seepromenade gelangen wollte. Zwei Polizisten wurden bei dem Einsatz verletzt.

Der Fall habe bei ihm, wie bei jedem, der sich das anschaue, Entsetzen und Sprachlosigkeit ausgelöst, sagte Blättler. Es habe sich dabei um kriminelle Gewalt ohne jegliches Motiv gehandelt. Das seien Straftäter, die man ermitteln, vor Gericht bringen und verurteilen müsse.

Bilder: Zürich: Polizei und Sanität angegriffen

Grosseinsatz der Polizei an der Zürcher Seepromenade: Ausgerückt werden musste wegen einer Messerstecherei. Ein junger Mann erlitt lebensgefährliche Stichverletzungen, zwei weitere Personen wurden leicht verletzt. (18. August 2018)
Grosseinsatz der Polizei an der Zürcher Seepromenade: Ausgerückt werden musste wegen einer Messerstecherei. Ein junger Mann erlitt lebensgefährliche Stichverletzungen, zwei weitere Personen wurden leicht verletzt. (18. August 2018)
Leserreporter
Beim Eintreffen wurden die Rettungskräfte von Unbekannten mit Steinen und Flaschen angegriffen. Um zu den Verletzten zu gelangen, musste die Polizei Reizstoff, Gummischrot und einen Wasserwerfer einsetzen.
Beim Eintreffen wurden die Rettungskräfte von Unbekannten mit Steinen und Flaschen angegriffen. Um zu den Verletzten zu gelangen, musste die Polizei Reizstoff, Gummischrot und einen Wasserwerfer einsetzen.
Leserreporter
Trotz abgesperrten Strassenabschnitten wurden auch Unbeteiligte kontaminiert. Den Tätern gelang die Flucht.
Trotz abgesperrten Strassenabschnitten wurden auch Unbeteiligte kontaminiert. Den Tätern gelang die Flucht.
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(SDA)

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