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Maurers Angst vor den Grossen

Bei seiner Rede vor der UNO-Vollversammlung in New York wähnte Ueli Maurer die Schweiz kleiner, als sie ist. Seine Angst vor internationaler Machtpolitik überraschte.

Vor etlichen Jahren lehnte Ueli Maurer den Beitritt der Schweiz zu den Vereinten Nationen ab. Gestern aber begab er sich als Schweizer Bundespräsident in die New Yorker Höhle des doch eher zahmen Löwen. Als einer von über einhundert Staats- und Regierungsoberhäuptern sprach Maurer am frühen Abend vor der UN-Vollversammlung – und strahlte nicht unbedingt Optimismus aus.

Die Welt, sagte er eingangs, verändere sich. Aber ob sie sich zum Besseren verändere, sei eine andere Sache. Der Bundespräsident betonte das Schweizer Eintreten für die Menschenrechte, auch strich er die Neutralität der Eidgenossenschaft heraus. Vor allem aber kam Maurer neuerlich auf eine Sache zu sprechen, die ihn schon mehrmals zuvor bewegt hat. Zum Beispiel im Januar beim WEF in Davos.

Machtpolitik ist nichts Neues

Düster argwöhnte der Bundespräsident in New York, die grossen Mächte würden die kleinen Länder überfahren. Obschon es doch in der Charta der Vereinten Nationen heisse, grosse wie kleine Staaten genössen gleiche Rechte. Ja schlimmer noch: Mit grosser Sorge verfolge er die wachsende Rückkehr der Machtpolitik, sagte Maurer. Denn zunehmend spielten die grossen Staaten wieder ihre Stärke aus.

Was dem Bundespräsidenten dabei wohl durch den Kopf ging? Der Bankenstreit? Die NSA-Lauschangriffe? Wir wissen es nicht, denn Maurer nannte keine Beispiele. Womöglich wähnt er die reiche Schweiz auch kleiner, als sie in Wirklichkeit ist. Die Oberhäupter anderer kleiner Nationen wie Costa Rica oder gar Liberia jedenfalls schienen sich gestern weit weniger vor den Grossen zu fürchten als der Bundespräsident. Vielleicht weil sie wissen, dass Machtpolitik schon immer dazugehörte. Und eben nichts Neues ist.

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